Prominenter Besuch von Snoop Dogg. © Instagram
Mica Moore, Pilotin im Monobob, während eines Trainingslaufs. © Kappeler/dpa
Jamaikas Bobteam posiert vor den Olympischen Ringen in Cortina. © Instagram
Cortina – Es war ein wilder Ritt, den Shane Pitter im zweiten Lauf in den Eiskanal fräste. Fast verpasste er die erste Kurve, dann dockte er mehrmals an der Bande an, aber am Ende ist alles gut gegangen. Zusammen mit Anschieber Junior Harris stieg der Jamaikaner unversehrt aus seinem Bob und musste danach deutlich mehr Fragen beantworten als der noch um Medaillen kämpfende US-Boy Frank Del Duca.
Das ist einerseits ein bisschen unfair, auf der anderen Seite sind es diese Farbtupfer, die Olympia ausmachen. Wobei sich Pitter nicht nur als solchen sieht. Im Weltcup ist der 26-Jährige, der in Lake Placid trainiert, bisher noch nie gestartet, dennoch sei „Gold“ sein Ziel für 2030. Träumen darf jeder.
Zudem: Bis 1988 hätte auch niemand geglaubt, dass Jamaika überhaupt einmal ein Bob-Team stellt, in Cortina startet die Südsee-Insel nun im Monobob der Frauen und bei den Herren (Zweier und Vierer). Auch in Sotschi, Pyeongchang und Peking war man zumindest mit einem Duo vertreten.
Die Reise von Pitter und Harris begann mit einer Talentsichtung. Der Anschieber war eigentlich Sprinter. In Deutschland wäre der 21-Jährige das mit seinen Bestzeiten über 100 Meter (10,32 Sekunden) und 60 Meter (6,66 Sekunden) vermutlich immer noch. In Jamaika gewinnt man damit etwas überspitzt keinen Blumentopf. „Ich wollte immer zu Olympia. Die Gelegenheit hat sich ergeben, also habe ich sie ergriffen“, erklärt Harris und lacht.
Inspiriert vom Film
Ähnlich war es bei Pitter, der sich bis zu seinem Wechsel vom Strand ins Eis ebenfalls als Sprinter (10,96) und Weitspringer (6,92) versuchte. Auf was er sich da genau eingelassen hatte, wurde ihm aber erst bewusst als er den vom Calgary-Team inspirierten Hollywood-Film „Cool Runnings“ sah. „Ich hatte keine Ahnung vom Bobsport“, erzählt Pitter. „Als ich den Film angeschaut hatte, dachte ich mir: ‚Wow, ok. Das ist also Bobfahren.‘“ Natürlich werden sie oft darauf angesprochen. Pitter erwidere dann immer: „Wir sind ein jüngeres Cool-Running-Team und wir sind das Team, das eimal Olympia gewinnen wird.“
Über die ersten Versuche im November 2022 hat sich das Duo von der Reggae-Insel nach zwei von vier Läufen immerhin auf Rang 23 von 26 Startern vorgearbeitet. Knapp hinter Österreich und noch vor Brasilien, Trinidad und Tobago und Israel. In der kommenden Saison ziehen die beiden nach Europa, geboren sind sie in Kingston und Spanish Town. Was hier in Cortina anders ist? „Das Wetter“, witzelt Harris. „Und sie haben eine Bobbahn.“ Sie spielen das mediale Spiel mit, ohne zu sehr zu überdrehen. Im normalen Leben ist Pitter übrigens Speerfischer. Vielleicht die bodenständige Basis, die es für den ganz großen Coup braucht. Denn wie sagt Jamaikas fiktiver Teammanager Irv Blitzer im Film so schön: „Eine Goldmedaille ist eine coole Sache. Aber wenn du ohne Goldmedaille nichts bist, bist du mit ihr auch nichts.“MATHIAS MÜLLER