Erst Frust über das verlorene Gold, später freute Nolte sich über Bronze. © Michael/DPA
Cortina – Zumindest ihre zweite Siegerehrung konnte Laura Nolte in vollen Zügen genießen. Beim feierlichen Empfang im Deutschen Haus von Cortina d‘Ampezzo hatte sich die Trauer nach dem Hundertstel-Krimi ohne Happy End gelegt, kurz nach Mitternacht war das Lächeln im Gesicht von Deutschlands bester Bob-Pilotin zurück. „Ich bin sehr zufrieden jetzt“, betonte Nolte, „das war nämlich jetzt meine Siegerehrung.“
Bei der offiziellen Medaillenvergabe im Cortina Sliding Centre hatte sie einige Stunden zuvor bitter enttäuscht noch pausenlos geweint, das „verlorene Gold“ überlagerte die Freude über Silber. Um 0,04 Sekunden verpasste die 27-Jährige am Montagabend ihren ersten Olympiasieg im Monobob, nachdem sie nach den ersten drei Läufen jeweils geführt hatte. Das setzte ihr sichtbar zu.
„Erstmal muss man der Enttäuschung auch einen Raum geben. Das ist auch völlig okay“, sagte die in Frankfurt am Main lebende Ausnahmepilotin, die das Drama aber schnell „abhaken“ wollte und den Blick auf den Zweierbob am Freitag und Samstag richtete – in ihrer „Paradedisziplin“ will sie mit Anschieberin Deborah Levi zurückschlagen.
Das verpasste Mono-Gold, das sich die 41 Jahre alte US-Amerikanerin Elana Meyers Taylor sicherte, sei „definitiv ein Ansporn“, sagte Nolte: „Das war schon in Peking so, wo es ja leider der vierte Platz war.“ Auch vor vier Jahren war Nolte nach einer Enttäuschung im Monobob im Zweier zum Olympiasieg gerast. Alles andere wäre in Cortina nach einer herausragenden Weltcupsaison mit fünf Siegen in sieben Rennen eine Überraschung. „Das wird ganz gut“, sagte Nolte – und lächelte.
Für das deutsche Bob-Team war es dennoch ein gelungener Auftakt, die Schlittensportler gelten auch in den letzten Olympiatagen als große Gold- und Medaillenhoffnungen. In Peking 2022, wo die deutschen Frauen im Monobob ohne Edelmetall geblieben waren, gingen in der Folge sieben der neun verbleibenden Medaillen an das Team Deutschland.
Auch Nolte will bei der Goldjagd helfen. Bis zu ihrem Zweier-Rennen wolle sie sich nun mit „positiven Leuten umgeben“, etwas „leckeres Essen“ und „gut schlafen“, sagte sie. Beim Empfang im Deutschen Haus waren ihre Eltern und ihr Bruder dabei, dazu ihre beste Freundin Laura. „Das war super schön“, sagte Nolte, „aber natürlich habe ich nur Wasser getrunken. Denn es steht ja noch etwas an.“DPA