Als alles vorbei war, wollte auch Noch-Skisprung-Bundestrainer Stefan Horngacher nur noch weg. „Ich brauche jetzt ein Frustbier“, murrte der 56-Jährige, ehe er in der Nacht von Predazzo verschwand. Zurück blieben Ärger und viele Fragen.
Warum hatte man den Super-Teamwettbewerb kurz vor dem Ende des alles entscheidenden dritten Durchgangs abbrechen müssen? Bei Renndirektor Sandro Pertile klang in einem Nebensatz ein kniffliges Argument durch. „Wir haben nur eine begrenzte TV-Zeit und man weiß nie, wie lange man warten muss“, hatte der Italiener erklärt.
Worte, die alarmieren müssen. Keine Frage, die Sichtbarkeit fürs breite Fernsehpublikum ist für jede Sportart wichtig. Aber die Übertragungspläne der TV-Sender dürfen gerade beim weltweit wichtigsten Sportereignis niemals über den Ausgang eines Wettbewerbs mitentscheiden. Und genau das haben sie in diesem letzten Wettkampf der Skispringer bei den Spielen in Norditalien offenbar getan. Denn dass die Meteorologen ein baldiges Ende der störenden Wetterlage ankündigten, die das Superteam in der Entscheidung überschattete, kann der Jury in Predazzo nicht entgangen sein.
Es passt ins verheerende Bild, dass die Olympia-Organisatoren auch nicht für das (vorhersehbare) Schneetreiben gerüstet waren. Anstelle der, im Weltcup üblichen Vorspringer, die die Anlaufspur hätten freiräumen können, hatten Pertile & Co nur Schulterzucken zu bieten. Für die größte Bühne, die auch die fliegenden Männer nur alle vier Jahre betreten dürfen, ist das unwürdig.
Klar, niemand weiß, ob das Super-Team einen anderen Ausgang genommen hätte, hätte man zumindest die am heftigsten betroffene letzte Gruppe um Normalschanzen-Olympiasieger Philipp Raimund zehn Minuten später noch einmal an den Start geschickt. Vermutlich hätten die Österreicher Jan Hörl und Stephan Embacher die, bis dahin in Predazzo schwer geprügelten Österreicher trotzdem mit Gold versöhnt.
Aber es wäre ein Wettbewerb ohne Makel gewesen.