Hoeneß schießt gegen Berater

von Redaktion

Ehrenpräsident des FC Bayern droht mit Ausschluss unliebsamer Hintermänner

Mr. Klartext: Bayern-Patron Uli Hoeneß. © Lackovic/Imago

München – Klare Kante von Uli Hoeneß. Erst vor ein paar Tagen hatte sich der Patron des FC Bayern über das Vorgehen der Agenten von Dayot Upamecano „entsetzt“ gezeigt. Jetzt legt Hoeneß nach und kündigte via „Bild“ an, „dass wir dieses ganze Berater-Thema zur Diskussion stellen. Und wir werden es uns nicht mehr gefallen lassen, dass Berater allein bestimmen, wie es läuft.“

Monatelang hatte sich das Vertrags-Theater um Upamecano gezogen. Selbst als der Rekordmeister den Wünschen der Spielerseite weitgehend nachgekommen war, zögerte der Innenverteidiger, der von Moussa Sissoko und Marco Lichtsteiner vertreten wird, mit seiner Unterschrift. Erst als der FC Bayern das Angebot schriftlich zurückgezogen hatte, bat Upamecano darum, bis 2030 verlängern zu können. Das ist inzwischen geschehen.

Doch die Agenturen sind längst auch in Hoeneß‘ Visier geraten. Der Beitrag der Berater stehe „zunehmend in keinem Verhältnis mehr zur Honorierung, die aufgerufen und am Ende auch oft gezahlt wird“, sagte der 74-Jährige. Der FC Bayern, kündigte er an, werde „verstärkt ‚nein‘ sagen und diesen Wahnsinn nicht mitmachen“.

Hoeneß droht sogar mit dem Ausschluss unliebsamer Hintermänner: „Wir werden vielleicht auch den ein oder anderen Berater – wenn er sich unfair verhält – auf eine Liste nehmen und ihm sagen, dass wir Spieler, die er vertritt, nicht mehr verpflichten werden.“ Könnte rein theoretisch im Falle von Upamecanos Berater-Duos bedeuten: Ein Transfer von Weltfußballer Ousmane Dembélé von Paris zum FC Bayern käme nicht mehr infrage. Auch Angreifer Randal Kolo Muani (Tottenham-Leihe) wird von Sissoko vertreten.

Spielervermittler Jörg Neblung hat die Kritik von Hoeneß gekontert und als „platt“ und „heillosen Populismus“ bezeichnet. „Die Bayern werden immer zornig, wenn sie ihren Willen nicht kriegen. Es wird ja regelmäßig auf die Berater geschimpft. Upamecano kriegt in diesem Fall aber gefühlt nichts ab, obwohl er letztendlich die Entscheidung trifft. Das ist das Lächerliche. Wir haben keine Prokura“, sagte Neblung.

Star-Berater Pini Zahavi, der David Alaba zu Real Madrid und Robert Lewandowski zum FC Barcelona transferierte, bezeichnete Hoeneß einst als „geldgierigen Piranha“. Nun zählt mit Hamburg-Abwehrchef Luka Vuskovic ein Juwel zu seinen Klienten, das beim FC Bayern und allen Top-Clubs hoch im Kurs steht.

Auch Sportvorstand Max Eberl hatte einst bei Gladbach ähnliche Gedanken wie Hoeneß. Doch er verwarf die Möglichkeit eines Berater-Ausschlusses. „Als der Ärger verraucht war, habe ich mir gedacht: Max, sei ehrlich zu dir! Wenn mir ein Berater einen super Spieler zu guten Konditionen bringt, und ich sage aus persönlicher Abneigung ab, schade ich dem Verein. Trotz aller Emotionen muss ich immer die rational beste Entscheidung für den Verein treffen“, erklärte er bei Sport1..

Eine extreme Meinung vertrat Borussia Dortmunds Club-Berater Matthias Sammer, der vor wenigen Tagen sogar die Abschaffung von Spielerberatern gefordert hatte. Spielervermittler Jörg Neblung sagt, dass die Clubs selbst dazu beigetragen hätten, dass es Berater und Vermittler gebe. „Sie schließen mit sehr jungen Spielern langfristige Verträge ab – oft ohne Ausstiegsklauseln oder ein ausgewogenes Gleichgewicht der Interessen. Wenn sie nicht funktionieren, werden sie einfach aussortiert. Dies ist ein Spiel der längeren Hebel: mal hat der Spieler, mal der Verein die bessere Position“, befand der Spielerberater.PK, DPA

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