Ein Helfer namens Hecostix: Reaktionstraining. © Ruiz
08/15 war gestern: Auch Dummy-Gegenspieler kommen im Training von Urbig & Co. zum Einsatz. © Ruiz
Neue Reize, um zu reifen: Torwarttrainer Rechner soll aus Urbig den Neuer 2.0 machen. © P. Ruiz
München – Wie lange kann sich der FC Bayern noch auf Manuel Neuer verlassen? Im Sommer läuft der Vertrag des bald 40-Jährigen aus. Immer wieder muss der mehrmalige Welttorhüter verletzungsbedingt pausieren. Aufgrund eines Faserrisses in der linke Wade verpasst Neuer zumindest das Spiel am Samstag gegen Frankfurt und den Meisterschafts-Gipfel in Dortmund am 28. Februar.
An seiner Stelle wird, wie schon achtmal in dieser Saison, Jonas Urbig das Bayern-Tor hüten. Die Verantwortlichen trauen dem 22-Jährigen zu, künftig der neue Neuer zu werden – auch mithilfe der kreativen Methoden von Torwart-Trainer Michael Rechner.
„Ich versuche immer, mich am Spiel zu orientieren. Wenn es Sinn ergibt, solche Hilfsmittel einzusetzen, dann tue ich das“, betonte der Fachmann einst.
Strobo-Brille: Dem Träger werden visuelle Informationen vorenthalten. Das geschieht dadurch, dass die Brillengläser abwechselnd dunkel und wieder hell werden. „Mit ihr werden die Wahrnehmung, Konzentrationsfähigkeit und Reaktionsschnelligkeit deutlich verbessert“, erklärte Rechner.
Indiaca: Ein schnelles und dynamisches Rückschlagspiel mit südamerikanischen Wurzeln. Neuer und Urbig schlagen sich dabei im Training mit der flachen Hand in Torwarthandschuhen einen Ball mit gelber Polsterung und vier roten Federn zu. Die Hand-Augen-Koordination soll damit verbessert werden. Rechner geht es um Konzentration und Wahrnehmung.
Dummy: Der aufblasbare Gegenspieler wird genutzt, um das Stellungsspiel, die Reaktionsfähigkeit und die Entscheidungsfindung zu optimieren. Damit kann man verdeckte Schüsse oder Eins-gegen-eins-Duelle mit Gegenspielern simulieren. Rechner vertreibt die Dummys in seinem Webshop.
Hecostix: Ein dreibeiniges, Y-förmiges Trainingsgerät aus Schaumstoff, das entwickelt wurde, um die Hand-Augen-Koordination, Reaktionsgeschwindigkeit und kognitive Fähigkeiten zu verbessern. Das Produkt findet man unter verschiedenen Namen.
Brain-Wall: Der Keeper-Coach hat sie selbst entwickelt. Die Brain-Wall ist eine Art Plane mit verschiedenen Symbolen von bestimmten Torwart-Techniken. Urbig & Co. müssen eine kurze kognitive Aufgabe lösen und bekommen dann eine torwartspezifische Aktion, etwa Fangen, Fallen oder Abdruck. Es geht um Wahrnehmung und Informationsverarbeitung.
Tennisbälle: Kommen auch immer wieder zum Einsatz. Kurios: Bei Neuers Reha-Training im März 2025 (damals: Faserriss in der rechten Wade) schnappte sich Rechner laut „Bild“ sogar einen Padel-Schläger und feuerte mit voller Wucht Tennisbälle aus knapp zwei Metern Entfernung auf den Torhüter. Die Reaktion soll damit verbessert werden.
Rechner soll aus Urbig den neuen Neuer machen. „Wir haben gesehen, dass er die Qualität hat, eine ähnliche Spielweise wie Manu umzusetzen“, sagte er dem Vereinsmagazin „51“. „Allein die tägliche Zusammenarbeit mit Manu macht Jonas besser.“ Entscheidend werden aber die Leistungen in den Spielen sein. PHILIPP KESSLER