Man sollte als Journalist nie Fan von dem „Objekt“ seiner Berichterstattung sein. Bin ich auch nicht und doch muss ich zugeben, dass die scheinbare Mühelosigkeit, mit der Emma Aicher die Disziplinen wechselt, eine gewisse Faszination auf mich ausübt. Die Ski-Allrounderin war mit der Riesch-Maze-Generation eigentlich ausgestorben. Einzig Mikaela Shiffrin brachte das Vier-Disziplinen-Kunststück (Abfahrt, Super-G, Riesenslalom, Slalom) noch lange fertig, aber die US-Amerikanerin ist – ich glaube, darauf können wir uns einigen – keine normale Skifahrerin. Während sich 99 Prozent im Weltcup auf zwei, manchmal sogar nur eine Stärke(n) konzentrieren, wechselt Aicher von einem auf den anderen Tag kurze und lange Latten wie andere ihre Socken. Morgen startet sie im Slalom.
Eine brutale Leistung. Aber – das soll jetzt nicht eingebildet klingen – nichts im Verlgeich zu mir. Denn in Cortina bleiben mir oft nur wenige Minuten, um von den Skiern auf die Rodel-Schienen zu wechseln. Oben am Berg eben noch mit Aicher über den Innen-Außen-Ski philosophiert, muss ich mit Felix Loch herausfinden, was beim Material nicht gepasst hat. Und Sie brauchen nicht glauben, dass Eis gleich Eis ist. Rodeln und Curling, zwei völlig verschiedene Welten. Vom Biathlon-Trip nach Antholz ganz zu schweigen.
Gott, was bin ich froh, dass die Wege hier so weit sind. Nicht auszudenken, wenn ich auch noch zum Vierfach-Axel-Telemark-Buckelpisten-Fachmann mutieren müsste. Da wäre es sogar bei mir vorbei, mit der Mühelosigkeit.