Weiter, aber die Zweifel bleiben

von Redaktion

Eishockey-Team heute im Viertelfinale gegen die bestens bekannte Slowakei

Sein erstes Tor bei Olympia: JJ Peterka zauberte den Puck zum 3:0 ins Netz. © dpa/Carolyn Kaster

Mailand/München – Einen Slapstick-Moment gab es, früh im Spiel, in der 8. Minute. Leon Draisaitl und Moritz Seider, die beiden wichtigsten Akteure im deutschen Eishockey-Team, waren sich uneinig über die Laufwege – und prallten aufeinander, als wären sie Gegenspieler, purzelten zu Boden. Es wäre das passende Bild gewesen, um die Misere der Nationalmannschaft im bisherigen Verlauf des Olympiaturniers zu illustrieren. Aber: Es ging alles gut, in der Nachbetrachtung war die Kollision der Stars nur amüsiert hochgezogene Mundwinkel wert. Die Deutschen haben die Nervenprüfung Viertelfinal-Qualifikation mit einem 5:1 (3:0, 0:1, 2:0) gegen Frankreich bestanden und das Mindestziel erreicht. Sie stehen unter den besten Acht und treffen gut 21 Stunden, nachdem sie die Eishockey-Kluft ausgezogen haben, auf die Slowakei. Mittwoch, 12.10 Uhr – ab da besteht die Chance, die Tage in Mailand endgültig zum Guten zu wenden: Ein Sieg brächte die DEB-Auswahl ins Halbfinale und den Kampf um die Medaillen.

Was gut war: Leichte Umstellungen (Lukas Reichel statt Joshua Samanski im ersten Sturm) beflügelten das Offensivspiel, bei Frederik Tiffels, John-Jason Peterka, John Samanski und Nico Sturm ging der Torknoten auf, sie erzielten die Treffer zum 2:0 (11.), 3:0 (19.), 4:1 (48.) und 5:1 (60.). Es funktionierten auch die Special Teams, zwei Tore, das erste von Leon Draisaitl (4.) und das von Samanski entstanden aus dem Powerplay, der Schlusspunkt war ein Empty-Net-Goal, bei dem man einen Feldspieler weniger auf dem Eis hatte. Der Gegentreffer, den Deutschland in der 25. Minute zum 3:1 kassierte, war ein Unfall: Die Scheibe sprang Abwehrspieler Moritz Müller an die Wade und von dort an Tormann Philipp Grubauer vorbei ins Netz. Kann passieren.

Nicht zu übersehen war jedoch auch, dass das Spiel der Truppe von Bundestrainer Harold Kreis phasenweise aus den Händen glitt und sie auf einige Grubauer-Paraden angewiesen war. Und: Die Offensive lief weiterhin fast ausschließlich über die NHL-Fraktion, die Draisaitl- und die Stützle-Reihe. Das Fazit: „Insgesamt ein starkes Spiel. Aber wir sind im zweiten Drittel vom Gaspedal gegangen“, so Leon Draisaitl. Samanski sah die Mannschaft „mit- und füreinander spielen“.

Jetzt gegen die Slowakei. Das weckt Erinnerungen an 2022. Beim Pekinger Olympiaturnier traf man in der Viertelfinal-Qualifikation aufeinander, und die deutsche Mannschaft glaubte, nach durchwachsener Vorrunde in diesem Spiel den Schalter umlegen zu können – sie scheiterte (0:4). NHL-Spieler waren vor vier Jahren nicht am Start. Die Bühne gehörte dem seinerzeit 17-jährigen Juraj Slavkofsky, der Topscorer und bester Spieler des Turniers wurde. Mit nunmehr 21 ist er feste Größe bei den Montreal Canadiens und liegt nach NHL-Scorerpunkten – um vergleichen zu können – zwischen den Deutschen Peterka (Utah) und Stützle (Ottawa). Insgesamt hat die Slowakei sieben NHLer dabei – wie die Deutschen. Augenhöhe. Die Verbände sind befreundet, die Slowaken werden jedes Jahr zum Deutschland Cup eingeladen, der Gegenbesuch erfolgt oft im Februar-Länderspielfenster. Leon Draisaitls Blick voraus: „Das Turnier wird immer kleiner und härter.“GÜNTER KLEIN

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