Tobias Reiter war im Sommer angetreten, um Deutschlands Herren wieder an die weltweite Spitze heranzuführen. Der zu dieser Saison neue Bundestrainer der Biathlon-Herren wollte den Glauben an die eigene Stärke neu entfachen. Die Jungs um Anführer Philipp Nawrath sollten die übermächtig wirkenden Norweger und Franzosen ärgern. Die Ehrfurcht sollte weichen, das Selbstvertrauen wachsen.
Heute ist davon nicht mehr viel übrig. Vor der Staffel am Dienstag hielt Reiter eine flammende Rede. Von Platz eins oder zwei war da aber schon nicht mehr die Rede. Bronze sollte das Teamevent, der augenscheinlich letzte Medaillen-Rettungsanker, zutage fördern. Die Ansprache zeigte Wirkung, die DSV-Männer gingen topmotiviert an den Start und scheiterten doch erneut. Zwar knapp als Vierter, aber doch mit gehörigem Abstand zu den Podestplätzen.
Das Problem war – wie so oft – in diesen Tagen, die Schießleistung. Mit zwölf Nachladern wies man die mit Abstand schlechteste Bilanz der Topteams auf. Beim vorangegangenen Verfolger verfehlte das Quartett sogar 18 Zielscheiben. Dreht sich die Welt deswegen weiter? Definitiv! Haben die Reiter-Jungs deswegen Anfeindungen im Netz verdient? Natürlich nicht.
Aber die sachliche Feststellung, dass die einst so stolzen DSV-Männer – das Sotschi-Team bekam in Antholz nachträglich Staffel-Gold verliehen – aktuell nur noch zweitklassig sind. Im Einzel hat man aus eigener Kraft kaum die Chance aufs Stockerl und auch im Team nur an einem Sahnetag, Patzer der Konkurrenz inklusive.
Bei den Damen sieht es nicht viel besser aus, besonders da Frontfrau Franziska Preuß aufhören wird. Immerhin kann der DSV hoffen, dass sich Talente wie Julia Tannheimer oder Selina Grotian, 20 und 21 Jahre alt, noch entwickeln. Vor zwölf Jahren sah die Situation nach dem Ende der goldenen Generation um Magdalena Neuner und Kathi Wilhelm ähnlich aus. Auch damals hatte man zwei junge Talente in der Mannschaft, die erstmals Luft bei den „Großen“ schnupperten. Das Duo war 19 und 21 Jahre alt. Die Namen: Franziska Preuß und Laura Dahlmeier.