Wortlos und enttäuscht machte sich Franzi Preuß auf den Weg ins Hotel. © Schmidt/dpa
Antholz – Franziska Preuß flüchtete nach ihrem tragischen Staffel-Rennen wortlos in Richtung Hotel, musste ihre Gedanken über den neuerlichen Tiefschlag in Ruhe für sich sortieren. „Der Kopf hängt gerade tief. Das muss man ihr auch zugestehen, das ist menschlich“, sagte Sportdirektor Felix Bitterling. Es sei „eine mentale Geschichte. Irgendwas scheint derzeit in den Klamotten oder zwischen den Ohren drinzuhängen.“ Mit ihrer Strafrunde im Stehendanschlag leitete Preuß das historische deutsche Biathlon-Debakel ein.
Erstmals überhaupt blieb sowohl die Männer- als auch die Frauen-Staffel ohne Olympia-Medaille. „Jetzt gerade tut es weh für alle. Wieder Vierter – das ist der Platz, den du nicht haben willst“, betonte Bitterling: „Der Sport schreibt viele Geschichten von Triumphen. Das ist jetzt halt ein Tag, der auch mal ein bisschen bitter ist. Das macht die Franzi nicht weniger zu einem Champion.“ 21 Sekunden fehlten nach der Strafrunde sowie acht Nachladern zu Bronze.
„Die Enttäuschung überwiegt schon, es schmerzt sehr“, sagte Schlussläuferin Vanessa Voigt, die gemeinsam mit Julia Tannheimer und Janina Hettich-Walz den Fauxpas von Preuß nicht auffangen konnte. Dafür hätte es dann „ein Überrennen“ gebraucht, sagte Hettich-Walz.
Dabei übergab Tannheimer (zwei Nachlader) als Dritte an Preuß, die nach fehlerfreiem Liegendschießen sogar die Führung übernahm. Doch dann ging stehend wieder alles schief: Die Gesamtweltcupsiegerin musste wie schon im Mixed in die Strafrunde. Bitterling und Trainer Sverre Olsbu Röiseland sackten ratlos auf die Knie.
Hettich-Walz kam zwar ein paar Ränge nach vorne, verlor aber weitere Zeit zu den Medaillenrängen. Voigt schoss fehlerfrei – und kam doch nicht mehr ganz nach vorne. Dort siegten die Favoritinnen aus Frankreich (1 Strafrunde +6 Nachlader) vor Schweden (1+7/+51,3 Sekunden) und Norwegen (0+7/+1:07,6 Minuten).
Preuß hat am Samstag mit dem Massenstart (14.15 Uhr/ARD und Eurosport) noch eine finale Chance auf eine olympische Einzelmedaille – es ist vielleicht sogar ihr letztes Karriererennen. „So wie ich sie kenne, wird sie sich schütteln und nochmal alles zusammenkratzen, um eine Reaktion zu zeigen“, betonte Bitterling.SID