Auf der Stelvio-Piste in Bormio geht heute ein Traum in Erfüllung – der von Finn Hösch. Der Münchner wird als erster deutscher männlicher Ski-Mountaineering-Athlet überhaupt bei Olympischen Spielen antreten.
Schon als Kind ging Hösch mit seinem Vater die ersten Skitouren. Schnell lief der Schüler seiner Familie davon. „Für die anderen bestimmt frustrierend“, sagt der Pullacher und lacht. Eine Karriere als Leistungssportler strebte er eigentlich nicht an. „Ab und zu bin ich zu Wettkämpfen gefahren – nur aus Jux und Tollerei.“ Bald gehörte er dem DAV-Kader an.
Höschs Paradedisziplin war schon damals der Sprint. In dem gibt der 23-Jährige heute sein Olympia-Debüt. Drei Minuten benötigt er, um 70 Höhenmeter auf einer Piste nach oben zu steigen und wieder abzufahren. In der Zwischenzeit müssen noch Ski geschultert, Bindungen verriegelt oder Felle abgezogen werden.
Seit Jahren pendelt Hösch zwischen Leistungssport und Studium. 2018 fuhr er zur Junioren-WM, 2020 zu den Youth Olympics. Der Weg zum Profi rückte näher. Mit 18 alles auf eine Karte setzen? „So bin ich nicht“, sagt er. Also begann er ein Maschinenbau-Studium. Nebenbei bereitete er sich mit Höhentrainingslagern vor.
Die kräftezehrende Olympia-Vorbereitung sieht er als Sabbatical. Anschließend will er in München seinen Master machen. Vom Studium profitiert er auch als Sportler, verändert Feinheiten an Bindungen und Schuhen. Zeitweise entwickelte er die Ski sogar selbst mit. Skibergsteigen gleicht mittlerweile einer Materialschlacht.
Im Mixed Relay gehört Hösch mit Tatjana Paller zur erweiterten Weltspitze. Beim olympischen Testevent wurden sie Fünfte. Die Lücke aufs Podium aber war noch groß. In Bormio will sie Hösch schließen. KAU