Die Themen der DEB-Analyse

von Redaktion

Sportvorstand Christian Künast. © dpa/Sebastian Kahnert

Mailand – Großes Eishockey in Milano – nur ohne Deutschland. Drei der vier Viertelfinals gingen in die Overtime. Knisternde Spannung, echte Dramen um die lange führenden und doch noch scheiternden Tschechien und Schweiz, ehe die Halbfinals am Freitag feststanden: Kanada – Finnland (16.40 Uhr) und USA – Slowakei (21.10 Uhr). Während die NHL-Stars noch je zwei Partien übers Eis der Santagiulia-Arena flitzen werden, beginnt beim Deutschen Eishockey-Bund (DEB) die Aufarbeitung des Olympia-Turniers. „Wir werden alles genau anschauen“, kündigte Christian Künast, der Vorstand Sport, an. Das sind die Themen.

Identität: „Wir haben sie nie gefunden“, sagte Senior Moritz Müller (39), „wussten nicht, was für eine Art Mannschaft wir sein wollen.“ Ähnlich äußerte sich Nico Sturm: „Die eigene und neutrale Zone waren ein großes Problemfeld. Wir haben in allen Spielen zu viele Schüsse zugelassen. Defensiv war das Schweizer Käse.“

Nominierung: Bundestrainer Harold Kreis pokerte – und verlor: Fünf Spieler (Wissmann, Geibel, Kahun, Rieder, Niederberger) wurden trotz teils monatelanger Verletzungsausfälle nominiert. „Wenn sie zurückkehren, werden sie topfit sein“, war Kreis sich sicher. Er irrte. Verteidiger Wissmann war eine Fehlerquelle, Kahun blieb ohne Einfluss, Geibel und Niederberger standen kein einziges Mal im Spieltagsaufgebot. Im Nachhinein noch unverständlicher die Nichtberücksichtigung der Abwehrspieler Maksymilian Szuber (Tuscon/AHL) und Leon Hüttl (Ingolstadt) oder von Stürmer Yasin Ehliz (München).

Eiszeit: Seider stand im Schnitt 26:16 Minuten auf dem Eis, Draisaitl 24:29, Stützle 21:55 – obwohl an der Klasse der NHL-Topstars kein Zweifel bestand, kritisierten andere Spieler die ungleiche Verteilung der Eiszeit. Künast und Kreis selbst nennen das Anliegen „berechtigt“. Auch bei der Kapitänswahl setzte der Trainer ein falsches Zeichen: Draisaitl trug das „C“, Stützle und Seider waren die Assistenten – das NHL-Modell, nach Prominenz zu besetzen. Dabei hatte Draisaitl zu erkennen gegeben, dass er den langjährigen Amtsträger Moritz Müller „total respektiere“.

Trainer: Peter Merten, DEB-Aufsichtsratsvorsitzender, nannte vor wenigen Tagen die 2023 getroffene Wahl Harold Kreis/Alex Sulzer „eine glückliche Entscheidung“. Kann das noch gelten? Zwei guten Turnieren (WM-Silber 2023, Viertelfinale 2024) folgten zwei schlechte. Unter Künasts „alles genau anschauen“ fallen auch Trainerentscheidungen und Taktik.GÜK

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