Geht dahin, wo es wehtut: Löwen-Stürmer Sigurd Haugen (li.) zeigte mit Maske beim Comeback gegen Aachen keine Scheu. Sein erster Ballkontakt? Mit dem Kopf. © Gamel/Imago; Imago
München – Giesings Tor-Wikinger ist in aller Munde. Sigurd Haugen (28) liefert seit seinem Comeback nach einem Kieferbruch eine starke Vorstellung nach der anderen ab. Für unsere Zeitung nahm sich der Masken-Mann vor dem Duell gegen seinen Ex-Club Rostock (Sonntag, 13.30 Uhr) ausführlich Zeit.
Herr Haugen, die Löwenfans lieben Ihre Maske…
Ja, das stimmt (lacht). Es gab sehr viel Trubel um die Maske. Ich verstehe das, sie sieht sehr verrückt aus. Ich finde sie cool, auch wenn ich lieber ohne sie spielen würde. Sie kostet mich etwas Sehvermögen. Aber: Die Maske hat mich früher auf den Platz zurückgebracht, ich dachte eigentlich nicht, dass ich im Januar wieder spielen würde. Bis zur Sommerpause werde ich die Maske tragen.
Fühlt sich ein Kieferbruch so schmerzhaft an, wie er sich anhört?
Es war mit Abstand die schlimmste Verletzung meines Lebens. Mein Kieferknochen steckte in meinem Mund. Das war traumatisch. Ich wurde noch am Abend des Spiels operiert. In den ersten Tagen danach konnte ich nicht beißen, es gab nur Suppe (lacht). Über einen Monat später hatte ich Probleme, zu beißen. Die Konsequenzen der Verletzung werden mich vermutlich noch einige Jahre begleiten.
Gut für 1860, dass Sie schnell zurückkamen. Haben Sie mit einem so starken Comeback gerechnet?
Nein. Ich war aber während meiner Verletzung in guten Händen und konnte mich optimal vorbereiten. Ich kam mit viel Energie zurück und konnte ein paar Tore beisteuern.
Sie persönlich spielen eine überzeugende Saison mit neun Treffern, die hohen Erwartungen im Umfeld konnte das Team jedoch bislang nicht erfüllen…
Wir haben es leider nicht geschafft, unsere Leistung jeden Spieltag abzurufen. Das muss jetzt unser Ziel sein. Ich möchte nichts schlechtreden, aber vielleicht stehen wir genau dort, wo wir es verdienen.
Haben die hohen Erwartungen das Team etwas gelähmt?
Nein, diesen Druck haben die anderen Teams genauso. Das gibt es nicht nur bei 1860, auch wenn die Leute hier das immer denken. Letzte Saison habe ich in Rostock gespielt, dort war es dasselbe. Viel Druck, viele Meinungen. Damit muss man klarkommen, wenn man hier einen Vertrag unterschreibt.
Privat läuft es blendend: Die junge Familie Haugen hat ausgerechnet an Weihnachten Zuwachs bekommen, eine verrückte Geschichte…
Unsere Familie aus Norwegen war da, perfektes Timing. Der errechnete Geburtstermin war der 20. Dezember. Wir hatten gehofft, er kommt noch vor Weihnachten, aber er hat es sich noch gemütlich gemacht (lacht). Am Weihnachtsmorgen hat meine Frau gespürt, dass es schnell gehen könnte. Wir haben noch das Familienbild um 16 Uhr gemacht und sind dann direkt ins Krankenhaus gefahren. Ein verrückter Tag.
Am Sonntag wartet ein besonderes Spiel, Ihr Ex-Club Hansa Rostock kommt nach Giesing…
Das ist für mich das Spiel des Jahres. Das Hinspiel in Rostock (1:2-Niederlage; Red.) möchte ich einfach nur vergessen. Wir waren über 90 Minuten die schlechtere Mannschaft. Umso mehr möchte ich diese Partie am Sonntag unbedingt gewinnen. Der Rahmen um das Spiel wird unfassbar werden, eine geile Stimmung.
Welcher Gegner erwartet die Löwen?
Hansa hat ein sehr physisches Team. Ich verfolge die Spiele von ihnen sehr genau. Für mich ist Rostock eine Top-Mannschaft. Sie verdienen mehr Punkte, als sie aktuell haben. Aber wir können definitiv mit ihnen mithalten. Wir haben sehr große Qualität im Kader, müssen den Kampf aber annehmen.
MARCO BLANCO UCLES