Keine Zeit verlieren: Beim Abfellen muss es schnell gehen, dann kommt die Abfahrt. © Szilagyi/EPA
Ski geschultert und hoch die Treppen. © Horcajuelo/EPA
Stark bei der Premiere: Tatjana Paller legte im Halbfinale eine furiose Aufholjagd hin. © Coffrini/AFP
Bormio – Tatjana Paller kämpfte sich den Berg hoch, schlängelte sich durch die „Diamanten“, schnallte die Skier ab, erklomm 42 Treppenstufen, schnallte die Skier wieder an, lief die letzten der 70 Höhenmeter nach oben, riss die Felle weg und stürzte sich dann wagemutig in die Abfahrt – doch es reichte nicht. Bei ihrer Aufholjagd im Sprint-Finale war die WM-Dritte im Kampf um die ersten Olympia-Medaillen im Skibergsteigen 3,04 Sekunden zu langsam: Rang vier statt Bronze für die scheinbar ewige Vierte, die danach bekannte: „Ich habe ein lachendes und ein weinendes Auge.“
Die ehemalige Bahnradfahrerin, die vor zehn Jahren knapp die Teilnahme an den Sommerspielen von Rio verpasst hatte, wusste nicht so recht, was sie mit dem vierten Platz anfangen sollte. „Wenn mir jemand vor den Spielen gesagt hätte, dass ich Vierte bei Olympia werde, dann hätte ich das glaub ich genommen“, sagte sie, gestand dann aber: „Als ich gesehen habe, dass die Dritte gar nicht so weit vor mir war, habe ich mir schon gedacht: Oh Mann, das wäre das Nonplusultra gewesen. Als Dritte wäre ich komplett eskaliert.“
Paller war im Weltcup schon achtmal Vierte, Rang drei wie bei der WM 2025 wäre freilich möglich gewesen. Im Finale der besten sechs aber lief die 30-Jährige erst mal hinterher, weil sie am Start nicht schnell genug reagiert hatte. „Die erste Rennhälfte war echt schlimm, da habe ich sehr gelitten“, sagte sie. Die Wechselzone vor der Abfahrt erreichte sie als Letzte. Aller Wagemut war danach vergeblich, der Rückstand zu groß.
Die beiden ersten olympischen Goldmedaillen gingen am Rande der Pista Stelvio in Bormio an die Weltmeisterin und den Weltmeister. Bei den Frauen gewann die Schweizerin Marianne Fatton, bei den Männern siegte Oriol Cardona Coll, der Spaniens erstes Wintergold seit 1972 feierte. Silber ging an Nikita Fillipow, der die erste russische Medaille der Spiele holte.
Schon im Halbfinale war Paller schlecht weggekommen. Nach dem Start war sie zunächst ebenfalls auf den sechsten und damit letzten Platz zurückgefallen, holte aber nach der Passage mit den Spitzkehren („Diamanten“) auf den Treppenstufen auf und ging nach dem Abreißen der Felle als Zweite in die Abfahrt. Bis ins Ziel hielt sie ihre Position – und war damit direkt für das Finale qualifiziert.
Paller hatte es als einzige des deutschen „Skimo“-Trios ins Halbfinale geschafft. Finn Hösch, U23-Weltmeister von 2023, lag in seinem Vorlauf gut im Rennen und nach dem Anstieg auf Rang drei. In der Wechselzone vor der Abfahrt aber benötigte der Studentenweltmeister zu viel Zeit, um die Felle abzuziehen. Als Vierter seines Laufs war Hösch schließlich 3,6 Sekunden zu langsam, um wenigstens als einer von drei „Lucky Losern“ das Halbfinale zu erreichen.
Paller und Hösch haben allerdings noch eine weitere Medaillenchance: im Mixed-Wettbewerb am Samstag.SID