Erschöpft nach der Party: Shiffrin postete das Bild aus dem Bett, natürlich mit Medaille um den Hals. © Instagram
Slalom-Podest: Camille Rast, Mikaela Shiffrin und Anna Swenn Larsson. © Bott/EPA
Der Schampus floss im Österreich-Haus.
Cortina – Bei Mikaela Shiffrin hatte sich einiges angestaut, sie ließ ihren Emotionen freien Lauf nach dem Sieg im Slalom. Und klar: Auch aus der Schampusflasche musste alles raus. Nur große Reden wollte die 30-Jährige auf der Bühne des Österreicher-Haus nicht mehr schwingen. „Jetzt ist es Zeit, zu feiern“, sagte die Olympiasiegerin und warf sich zusammen mit Silbermedaillengewinnerin Camille Rast (Schweiz) und der Bronze-Schwedin Anna Swenn Larsson ins Party-Getümmel.
Ein paar Stunden zuvor, nach ihrem famosen Triumph im Stangenwald mit 1,5 Sekunden Vorsprung, hatte Shiffrin einen tiefen Einblick in ihre Seele gewährt. „Das war ein Moment, von dem ich geträumt habe – und vor dem ich auch große Angst hatte“, sagte die beste Skifahrerin aller Zeiten. Denn: Es war ihre erste olympische Medaille seit dem tragischen Tod ihres Vaters Jeff, der 2022 unglücklich vom Dach des eigenen Hauses fiel.
„Alles, was man im Leben tut, nachdem man einen geliebten Menschen verloren hat, ist wie eine Wiedergeburt“, erklärte Shiffrin. Es gebe immer noch viele Momente, in denen sie „nicht ohne meinen Vater leben“ will. Aber, vielleicht könne sie „heute zum ersten Mal wirklich akzeptieren, dass es Realität ist“. Shiffrins mentale Stärke sei „nicht von dieser Welt“, schrieb ihr Freund Aleksander Aamodt Kilde nach der Gala seiner Liebsten bei Instagram. Sie habe „der Welt gezeigt, wer die Königin ist“.
Der Norweger konnte nicht vor Ort sein, weil er sich nach seinen schlimmen Verletzungen wieder in der Reha befindet und „um sich selbst kümmern muss“. Man telefoniere aber jeden Tag, so Shiffrin. Genau wie mit ihrem Bruder, der gerade ein Baby bekam. Auch mit ihren Psychologen habe sie „viel gearbeitet“.
Dafür an ihrer Seite: Mama Eileen. „Oft braucht es nicht viele Worte, sondern nur eine Umarmung“, erklärte Shiffrin. Die bekam auch Lena Dürr, nachdem sie am ersten Tor ausgeschieden war. Sie könne sich nicht erinnern, dass ihr das selbst passiert sei. Aber sie habe dieses Malheur bei ihrem Idol Marlies Schild beobachtet. „Seitdem sage ich mir immer: ‚Vergiss nie das erste Tor.‘“ Im Moment des Sieges dankte sie dem Team und zählte die US-Erfolge auf. „Das Tolle an unserem Sport sind die Athletinnen. Wir sind wie eine Familie und haben eine Beziehung auf einer speziellen Ebene“, so Shiffrin. Nur auf Lindsey Vonn kam sie nicht zu sprechen.M. MÜLLER