TV-MAGAZIN

Außer Besen viel gewesen

von Redaktion

In der Welt der Steine: Begnadete Wischer, eine spiegelglatte Terrasse und ein wenig Poesie

Stephanie Müller-Spirra mit Marc Muskatewitz. © Screenshot

Zugegeben, nach zwei Wochen sind wir des Olympischen Treibens auf dem Fernsehschirm ein wenig müde. Oder, wie unsere Drittlieblingsband, die Sportfreunde Stiller, singen würde: „Müde Sensazione, Bett-Stazione!“ Tag für Tag erzählt uns Jochen Breyer mit der Hartnäckigkeit eines Zeugen Olympias: „Sechs Stunden liegen noch vor uns, wie schön!“ Und dann kommt Skibergsteigen. Aber wenn Stephanie Müller-Spirra mal wieder ausbaldowern will, „woran et jelegen hat“ mit der nächsten Pleite – dann bleibt uns immer noch Curling. Curling ist der beste Sport der Welt. Olympia-Curling muss jetzt immer weitergehen, bis zur Curling-WM an Weihnachten im vereisten Ally Pally. Denn Curling gucken ist wie eine Lavalampe – es beruhigt, und man kann nicht wegschauen.

– Brutale Fachkenntnis: Wir haben uns in den letzten zwei Wochen hardcoremäßig ins Thema Curling eingearbeitet. Sätze wie „Ein klassischer Hack-to-House-Draw, aber mit etwas zu viel Back-End-Weight“ gleiten uns mühelos über die Lippen. Unsere Propheten sind die fabelhaften Öffi-Kommentatoren Marc Drumm, Benni Zander und Sara Messenzehl. Sara perché ti amo! „Es wäre gut, wenn man den Gelben da vorne auch noch rausoperiert“, raunt Marc Drumm im Ersten, man lernt also auch medizinisch was dazu. Drumm ist der so gut! Von ihm wissen wir jetzt auch, dass es „begnadete Wischer“ gibt. Die sind noch besser als die „begnadete Fischer“ beim Schlagersingen. Wir wissen jetzt alles. Wenn Sie Fachfragen haben, schreiben Sie uns an curling-gott@heinrich-curlt.de.

– Curl-it-yourself: Wir curlen jetzt auch zuhause, die Terrasse ist spiegelglatt. Die ebenfalls hier wohnhafte Frau Heinrich hat ihren Curler in einen Besen umgebaut. Wir diskutieren ständig: „Haben wir das Privileg des letzten Steins? Geht man auf den Tap, oder aufs Freeze?“ Wir erfinden auch ständig neue Curling-Sprüche. Außer Besen viel gewesen. Curl you know it’s true. Ist das nicht putzig? Und dann immer die Angst vor dem Fehlstein, dem Lord Voldemort aller Curler. The Stone who must not be named.

– Fach-Curlesisch: Von Marc Drumm, Sara Messenzehl sowie aus 17 frisch angeschafften Curlingbüchern wissen wir jetzt alles über den GOAT unter den Sportarten. Wussten Sie zum Beispiel, dass alle professionellen Curlingsteine der Welt von einer winzigen schottischen Insel stammen, von der Ailsa Craig? Sie ragt aus dem Meer wie ein riesiger Gugelhupf. Nur dort ist der Granit so brutal dicht, dass kein Wasser einsickert. Sorgen um Nachschub muss man sich aber nicht machen. Denn erstens ist so ein Curlingstein praktisch unkaputtbar, und zweitens wird dort nur alle paar Jahrzehnte „geerntet“. Is crazy, oder? Curling gucken ist ein bisschen wie Tour de France, nur ohne Käse und Kühe.

– Curling-Poesie: Unser Berufsziel ist es jetzt, ein Curlingbuch mit Carsten Sostmeier zu schreiben. Sosti ist auch komplett im Curlingfieber, er dichtet schon: „Wie er ihn jetzt loslässt… sehen Sie diese Hand? Das ist kein profanes Abgeben. Das ist ein zärtlicher Abschiedskuss der Fingerkuppen, der den Stein auf eine Reise ohne Wiederkehr schickt.“ Hachseufz! Wenn das nicht klappt, singen wir wenigstens ein Curlinglied mit den Sporties: „Puls duecento, Wisch-Momento!“JÖRG HEINRICH

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