Die Eis-Königin

von Redaktion

Liu schreibt ihr Gold-Märchen selbst

Lius Reise führte zu Gold. © Hao/EPA

Mailand – Eiskunstlauf-Olympiasiegerin Alysa Liu schrieb ihr schönstes Märchen selbst. „Ich bin eine Geschichten-Erzählerin“, sagte die 20-Jährige mit einem Dauergrinsen nach ihrer sportlichen Krönung. Liu verwandelte die olympische Eisfläche bei den Winterspielen in Italien in ihre persönliche Bühne und belohnte sich für ihren Mut zum Comeback nach einem zwischenzeitlichen Rücktritt mit Gold.

Doch die Medaille war dem schillernden US-Star gar nicht so wichtig. „Ich hoffe, dass die Leute nicht nur die Schlagzeile lesen: Oh, sie hat Gold gewonnen“, sagte Liu, die bei ihrem Coup modisch passend als Golden Girl in Erscheinung trat.

In ihrem auffallenden und rebellisch wirkenden Outfit mit einem glitzernden, goldfarbenen Kleid mit Pailletten, ihrem markanten Piercing im Mund und platingoldenen Strähnen in ihrem dunkelbraunen Haar verzückte Liu die Eiskunstlaufwelt. „Ich brauchte das hier nicht“, sagte sie über die Goldmedaille um ihren Hals und fügte an: „Aber was ich brauchte, war die Bühne – und die habe ich bekommen.“

Ihre unbeschwerte Art sei ihr wichtiger als die Ergebnisse, betonte Liu. Vielmehr geht es der Tochter eines chinesischen Vaters um ihre Lebensgeschichte. Und die ist tatsächlich besonders.

Arthur Liu bringt seine in Kalifornien gebürtige Tochter mit fünf Jahren zum Eiskunstlaufen. Schnell wird klar, dass Alysa talentiert ist – talentierter als andere, talentierter als alle anderen. Schon im Alter von 13 Jahren holt Liu den ersten nationalen Titel im Erwachsenenbereich. Als erste amerikanische Frau in der Geschichte des Sports zeigt sie zudem den vierfachen Lutz. Sie gilt schon da als US-Wunderkind.

In der Saison 2021/2022 startet sie dann auch international durch: Sechste bei den Olympischen Spielen in Peking, Dritte bei der Weltmeisterschaft im französischen Montpellier. Es sollte nur eine Frage der Zeit sein, bis sie den Eiskunstlauf-Thron erklimmt. Doch dann: ein abruptes und vollkommen überraschendes Karriereende im Alter von gerade einmal 16 Jahren. Sie fühlte sich wie in einem Käfig, dem sie entfliehen musste. DPA

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