Kompanys Brandrede

von Redaktion

Trainer des FC Bayern mit Zwölf-Minuten-Appell gegen Rassismus

Emotional: Kompany bei der Spieltags-PK. © FCB-TV

München – Als Reporter-Legende Uli Köhler den Münchner Cheftrainer Vincent Kompany auf die Rassismus-Vorfälle im Champions-League-Spiel zwischen Benfica Lissabon und Real Madrid rund um Vinicius Junior ansprach, bat der Bayern-Coach um Verständnis: „Ich kann diese Frage ganz ehrlich beantworten und mir die Zeit nehmen. Aber dann werde ich danach auch keine sportlichen Fragen mehr beantworten, weil das nicht zusammenpasst. Das ist dann die letzte Frage.“

Zwei sportliche Fragen später ergriff Kompany für exakt elf Minuten und 54 Sekunden das Wort. „Wenn es wahr ist, dass der Spieler von Benfica das gesagt hat, würde ich mir wünschen, dass es einen Raum für eine Entschuldigung gibt. Niemand auf der Welt ist perfekt. Aber wir berauben uns dieser Option. Es gibt immer nur links und rechts, schwarz und weiß“, appellierte er an einen anderen Umgang mit Rassimus.

Zur Erinnerung: Vinicius Junior hatte nach seinem Tor im Playoff-Hinspiel von Real bei Benfica (1:0) exzentrisch gejubelt. Der argentinische Benfica-Profi Gianluca Prestianni soll ihn daraufhin als „Affe“ bezeichnet haben, wie der Real-Star erklärte. Kompany, der die Partie live im TV verfolgt hatte, legt seine Sicht der Dinge wie folgt dar: „Wenn du die Aktion siehst, kann die Reaktion von Vini Junior nicht vorgetäuscht sein. Es ist eine emotionale Reaktion. Und ich sehe keinen Nutzen für ihn darin, zum Schiedsrichter zu gehen und das ganze Elend auf seine Schultern zu nehmen.“

Harte Kritik hagelte es in Richtung Benfica-Trainer Jose Mourinho: „Er hat den Charakter von Vinicius Junior attackiert, indem er dessen Torjubel anführt. Das ist für mich ein krasser Fehler in Sachen Führung.“ Was Kompany massiv störte: Dass sein Trainerkollege argumentierte, dass Benfica nicht rassistisch sein könne, weil der beste Spieler der Vereinsgeschichte, Eusebio, ein schwarzer Spieler gewesen sei.

„Aber weiß er, was schwarze Spieler in den 60er-Jahren durchmachen mussten? War er da, um mit Eusebio zu jedem Auswärtsspiel zu reisen“, fragte Kompany emotional aufgeladen und berichtete: „Mein Vater ist eine schwarze Person aus den 1960ern, der damals seinen Weg gegangen ist. Damals war ihre einzige Option, still zu sein, nichts zu sagen, darüberzustehen und zehnmal besser zu sein, um ein bisschen Anerkennung zu bekommen. Das ist wahrscheinlich Eusebios Leben.“ Ein Brandrede, die nachhallen wird. MANUEL BONKE, TOBIAS SCHWANNINGER

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