Cortina/Livigno – Emma Aicher hat angefangen. Julia Taubitz wollte einige davon. Daniela Maier sogar einen Liter. Die Rede ist vom Aperol (Spritz) – dem italienischen Kultgetränk. Leicht war es nicht, ein Interview in den turbulenten Olympiatagen. Aber wir haben ihn in Cortina in der „Bar Sport“ zu einem Exklusivgespräch getroffen. Auf Deutsch. Mit eine bisschen von die Akzent.
Ciao! Come stai? Wie geht‘s?
Molto bene. Bin ein bisschen in die Stress. Aber isse ok. Bald alles vorbei.
Heißt es eigentlich Herr oder Frau Aperol?
Kannst du sagen, wie du willst. Früher hat es geheißen, ich bin eine Getränk für die Bella Donna. Aber zählt nicht mehr. Gibt es einen Rodler. Hat mich vor zwanzig Jahren in Turin gar nicht angesehen, hatte nur Augen für diese komische Weizenbier. Aber jetzt… Heißt glaub ich Hacklschorsch, kann das sein?
Im Kufenstüberl?
Kufe… was? Ah, da wo es gibt die Leberkäse und Breze. No, no! Haben wir uns getroffen erster Stock im Deutschen Haus. Wo uns keiner sieht.
Wie ist das überhaupt, wenn man in aller Munde ist?
Ach, bin ich gewohnt, vor allem wenn die Sonne scheint. Dann verzehren sich die eleganten Damen im Hotel de la Poste oder dem Savoia nach mir. Aber die Emma, eure Silber-Sensation – wow! – die hat Olympia für mich in Schwung gebracht.
Echt. In den Interviews wirkt sie eher zurückhaltend?
War in die Deutsche Haus mit Mama, Papa, Freunde. Hat viel von mir getragen auf großem Tablett. Erst war ruhig, dann ging es auf die Tanzfläche. Mamma mia! Da wurde mir fast ein bisschen schwindelig von dem Geschwappe.
Wir müssen zugeben: Nach der Goldfahrt von Julia Taubitz haben wir uns etwas Sorgen um Sie gemacht.
Dio mio! Die Jule, eine Frau mit Temperamente. Fast wie eine echte Italienerin. Als sie gesagt gleich im Ziel, sie hat „richtig Durst auf einen kühlen Aperol“, hab ich alle anderen Termine abgesagt. Den ganzen Abend habe ich nur gehört: „Aperoli, wo bist du?“
Bei der Team-Rodel-Party wollte Max Langenhan „nur Bier“. Waren Sie beleidigt?
Isse nicht schlimm. Haben wir ein Sprichwort in Italien: Vivi e lascia vivere. Leben und leben lassen. Manche mögen eben lieber, was so schön in die Bauchnabel prickelt.
Hat Skicrosserin Daniela Maier Sie am Leben gelassen? Sie konnte gar nicht genug kriegen und hat gleich einen Liter (!) von Ihnen geordert.
Die Dani. Ein Mädchen, so lieb. Bin ich schnell rüber nach Livigno. War keine Problem, habe ich meine Fahrer.
Und doch ein weiter Weg.
Musst du wissen, wollte ich auch vor vier Jahren nach Peking, wo sie hat gewonnen diese kuriose Bronzemedaille. Aber Einreise war nicht möglich. China zu streng wegen Corona. Jetzt waren wir endlich glücklich vereint. War ich nur kurz geschockt, denn Jule war auch in Livigno. Hat gesagt: „Aperoli, da bist du ja wieder. Ich hab dich schon vermisst.“
INTERVIEW: MATHIAS MÜLLER