Wieder abgeprallt: Bayern scheiterte schon im Halbfinale an Bamberg. © IMAGO/Trienitz
Legendentreffen: Heiko Schaffartzik und Alex King.
Konfetti für den Champion: Die Bamberg Baskets sind der verdiente Sieger des ersten Pokal-Wochenendes im SAP Garden. © Hoppe/dpa
München – Als sich der Pokal am Sonntag der Entscheidung näherte, waren auch Teile der Bayern wieder da. Mit immer noch versteinerten Mienen, stapften einige der Münchner Spieler durch die Katakomben des SAP Garden. Er saß noch immer tief, der Schock über dieses verdiente 97:103 n.V. gegen die Bamberg Baskets.
Da half es auch wenig, dass man wie im Vorjahr dem späteren Champion unterlegen war. Bamberg nämlich kämpfte Tags darauf auch Alba Berlin in einem hochdramatischen Finale mit 74:72 nieder und brachte das, in den vergangenen Jahren so sehr abgekühlte „Freak City“ zum Beben. Für das Team des früheren Bayern-Kapitäns Andon Gavel der erste Titelgewinn seit dem Pokalsieg 2019. Der doppelt süß geschmeckt haben dürfte in der Arena des Rivalen.
Und den Bayern? Blieb nicht viel mehr als Frust. Über ein Spiel, das verheerende Auswirkungen haben dürfte, wenn die Münchner irgendwann an die Bilanz dieser Saison gehen werden. Immerhin hatte Clubchef Herbert Hainer für diese Spielzeit das nationale Double und die Playoffs der Euroleague eingefordert. Das Double ist dahin, Pablo Laso bleibt der einzige Bayern-Coach, der in einer Saison beide BBL-Trophäen in der Hand hatte, in Europa bleibt bestenfalls eine kleine Resthoffnung. Gedankenspiele, die Basketball-Boss Dragan Tarlac fürs Erste weit wegschiebt: „Wir wollen erst einmal das ganze Bild haben“, sagte er, „dann werden wir weiterreden.“
Womit sich allerdings auch die Befürchtung in den Fanlagern erst einmal erledigt hat, dass die feste Vergabe des Turniers in den SAP Garden für die nächsten Jahre die Kräfteverhältnisse nur weiter zementieren könnte. Und das lag nicht nur daran, dass das stattliche fränkische Fanlager (rund 1000) stimmgewaltig das Kommando übernahm. Die Bayern hatten es auch mit einem Gegner zu tun, der – ähnlich wie im Vorjahr der Mitteldeutsche BC – an die Chance eines Do-or-die-Spiels glaubte. „Es gibt keinen Favoriten im Pokal. Am Ende ist es do or die“, sagte Bayern-Spielmacher Nenad Demetrijevic, dessen 24 Punkte am Ende wertlos blieben.
Bamberg hielt die Bayern erst mit konsequenter Defensive auf Distanz. Im Endspurt und in der Verlängerung hatten sie Werfer wie Ibi Watson oder Cobe Williams, die aus allen Lagen trafen. „Sie haben uns über das ganze Spiel den Stempel aufgedrückt“, stellte Bayern-Trainer Svetislav Pesic anerkennend fest. Was ein bisschen klang wie: Sie wollten es mehr. Wobei sich Pesic merklich leichter tat, als auf der anderen Seite in Anton Gavel einer seiner einstigen Schützlinge an der Seitenlinie stand. „Wenn ich sehe, wie sie spielen, dann sehe ich, dass er mal bei mir war“, sagte er Augen zwinkernd, „ich freue mich, dass er so eine karriere macht.“
Es ist ja schon lange die Problemzone des Systems Top-4: Zwei Lager sind am Finaltag ganz zwangsläufig außen vor. Und so war dem Top-4 natürlich auch aus Münchner Sicht schon am Samstagabend der Stecker gezogen. Bis dahin war es auch aus Bayern-Sicht ein Hochglanz-Fest. Das am Freitagabend im GOP Varieté-Theater mit einer illustren Nacht der Legenden mit viel Roter-Teppich-Atmosphäre begonnen hatte. In der der Branchenführer mit Turnierpresenter BMW natürlich auch ein bisschen sich selbst, aber vor allem den deutschen Basketball hochleben ließ. Auszeichnungen wie die für Rekord-Nationalspieler Patrick Femerling oder Nowitzki-Entdecker Holger Geschwindner (Lebenswerk) inklusive. Wofür sogar 1993er-Europameister Mike Jaeckel aus Vancouver einschwebte.
Fehlte nur der Pokal, doch auf den müssen die Bayern zumindest ein Jahr warten. RP