Bayerns zwei Gesichter

von Redaktion

Zwischen Hochgenuss und Harakiri: Frankfurt-Sieg als Clasico-Warnung

Hoppala: Retter Kompany hilft Erhard. © screen

„Das war Harakiri“: Eberl schimpfte über die Szene, an dessen Ende der unglückliche Kim – und der zweite Gegentreffer – stand. © Martin/IMAGO

München – Dass Straucheln mal erlaubt ist, konnte man am Samstag am Rande des 3:2 (2:0) des FC Bayern gegen Eintracht Frankfurt schon in der ersten Halbzeit beobachten. Rutschig war es am Spielfeldrand, und so wäre die Sache für Helmut Erhard beinahe schmerzhaft ausgegangen. Der Physiotherapeut lag beim Weg zurück auf die Bayern-Bank schon fast am Boden, da griff Vincent Kompany beherzt zu und zog ihn nach oben. Rettung in letzter Sekunde – wie eine gute Stunde später, als nach dieser lange dominanten, am Ende aber doch zittrigen Generalprobe für den Klassiker am kommenden Samstag in Dortmund endlich der Abpfiff ertönt war.

„So ist Fußball, das passiert. Am Ende haben wir die drei Punkte geholt, und das ist das Wichtigste“, sagte Kompany hinterher – und hatte ja auch recht. Denn obwohl der nasskalte Samstagnachmittag in der Allianz Arena kein gemütlicher war, stand später nicht nur eine gute, sondern sogar eine optimale Ausgangslage für die Reise in den Westen. Von einem Meistergipfel kann man nach dem Remis des BVB am Abend in Leipzig und nunmehr acht Punkten Vorsprung des FC Bayern kaum mehr sprechen. Zumal etwa Joshua Kimmich schon ankündigte, was nur logisch klingt: „Wir wollen jedes Spiel gewinnen – und gehen in jedes Spiel als Favorit.“

Das mag stimmen – und trotzdem fliegt auch der Überflieger in der Tabelle aktuell nicht mehr nur locker-leicht durch die Saison. Wie groß die Erleichterung über den Erfolg gegen Frankfurt war, teilten Kimmich und Harry Kane ungewöhnlich kurz nach der Partie auf Instagram. Abgekämpft und glücklich sahen die beiden Männer aus, die in diesen 90 Minuten sinnbildlich für die zwei Gesichter des FC Bayern standen. Kane, der als Doppeltorschütze (20./68.) nach dem Führungstreffer von Aleksandar Pavlovic (20.) eigentlich schon den Deckel draufgemacht hatte – und Kimmich, der nach einem von Kane verschuldeten und Jonathan Burkardt verwandelten Foulelfmeter (77.) vor dem 3:2 nicht gut aussah.

„Das ist Harakiri, was wir da gespielt haben“, sagte Sportvorstand Max Eberl zu jener Szene, an deren Ende Arnoud Kalimuendo danke sagte (86.). Kimmich und Jonas Urbig hatten in höchster Not an der Strafraumgrenze hin und her gepasst, anstatt „einfach mal zu löschen“. Der missratene Ball zum überforderten Minjae Kim führte schließlich ins Verderben – und vor allem dazu, dass man „nicht enthusiastisch vom Feld kam“ (Kane). Eberl schimpfte: „Das war zu viel!“ Und hoffte, dass solche „Zittermomente“ dafür „sensibilisieren, dass es eben nicht vorbei ist“. Nicht bei einem 3:0 – und nicht bei acht Punkten Vorsprung.

Dass bis zum Topspiel nun eine Woche Zeit ist, passt allen gut. Denn nicht nur Eberl hat „Respekt vor dem BVB“ und warnte: „Wir bekommen es mit einer sehr guten Mannschaft zu tun.“ Es gilt, die Kräfte zu bündeln, womöglich kehren Manuel Neuer und Konrad Laimer sogar zurück (Eberl: „nicht ausgeschlossen“). Laut „Bild“ stimmte sich das Team gestern bei einem gemeinsamen Essen im Beisein von Uli Hoeneß am Tegernsee im Gut Kaltenbrunn auf die Aufgabe ein.H. RAIF, T. SCHWANINGER

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