Geprellte Rippen: Diggins geht über’s Limit. © Singer/EPA
Mailand/Cortina – Bei den größten Sportfesten der Welt geht es nicht nur um Gold, Silber und Bronze. Exoten werden zu Heroen und manche Akteure werden ganz unverhofft zu heimlichen Stars.
■ Jessie Diggins (Langlauf)
Völlig entkräftet und gekrümmt vor Schmerzen liegt die US-Amerikanerin im Zielbereich am Boden. Die 34-Jährige schrie ihre Qualen hinaus, sie hat gerade mit einer üblen Rippenprellung die 10 Kilometer im Langlauf hinter sich gebracht – und wie: Mit Bronze im vorletzten Rennen ihrer Karriere gelang der Langlauf-Queen noch einmal eine Medaille. Gestützt von ihren Teamkolleginnen verließ sie den Innenraum.
■ Shorttrack-Helfer
Sie sind keine olympischen Athleten und im besten Fall gar nicht im TV-Bild zu sehen. Und trotzdem sind sie Helden der Spiele. Immer wenn eine Kurvenmarkierung beim Shorttrack weggestoßen wird, sammeln mehrere Helfer die schwarzen Gummis auf und ersetzen die verschobenen Markierung(en) – in Rekordzeit. Denn die Shorttracker benötigen für die 111 Meter lange Runde nur etwa neun Sekunden.
■ Vanessa Voigt (Biathlon)
So gut und so bitter. Vanessa Voigt steht stellvertretend für alle Athleten, die zum Saisonhöhepunkt ihre besten Leistungen zeigen konnten. Auch wenn es nicht zu einer Einzelmedaille gereicht hat und auch nicht über das schlechte Abschneiden des Biathlon-Teams hinwegtäuschen kann, zeigte sich Voigt im viel zitierten „Moment x“ in Bestform. 86 von 90 ihrer Schüsse fanden das Ziel. Nerven? – Fehlanzeige!
■ Donovan Carrillo (Eiskunstlauf)
Der Mexikaner ist einer der vielen Exoten. Kurios war sein Training zu einem Olympia-Eiskunstläufer, das in einem Einkaufszentrum stattfand: „Ich musste um die Pärchen und die Anfänger herumskaten. Ich habe mein Programm mit der Musik geübt, die dort lief“, erinnerte der 26-Jährige in Mailand. Bei seinen zweiten Winterspielen erreichte er Platz 22.
■ Tormod Frostad (Ski Freestyle)
Die Letzten werden die Ersten sein. Nein, so schlimm war der erste Olympia-Auftritt des Norwegers in Peking nicht. Frostad qualifizierte sich damals recht souverän für das Finale im Big Air, dort wurde er Zwölfter (und damit Letzter). Vier Jahre später flog der 23-Jährige von der großen Rampe völlig überraschend zu Olympia-Gold in der Nischen-Disziplin.ALEXANDER VORMSTEIN