Endlich Gold: Laura Nolte mit Deborah Levi (r.). © Michael/dpa
Stolz zeigt Johannes Lochner seiner Frau Hannah die zweite Goldmedaille. © Michael/dpa
Cortina d‘Ampezzo – Fast märchenhafter Abschluss im Eiskanal: Mit Doppel-Olympiasieger Johannes Lochner als großem Triumphator haben die deutschen Viererbobs am Finaltag der Olympischen Winterspiele einen Doppelerfolg gefeiert. Der 35 Jahre alte Berchtesgadener verwies mit seiner Crew Thorsten Margis, Jörn Wenzel und Georg Fleischhauer den viermaligen Olympiasieger Francesco Friedrich (+0,57 Sek.) auf Rang zwei.
Im Ziel umarmten sich die beiden Dauerrivalen herzlich. „Er musste uns jetzt zehn Jahre lang ertragen, dass wir ihm immer vorangefahren sind. Jetzt müssen wir mal die bittere Pille schlucken“, sagte Friedrich und äußerte „allergrößten Respekt“. Kann der langjährige Dominator auch gönnen? „Ja, gerade so“, sagte Friedrich augenzwinkernd.
Lochner ließ im Kreis seiner Familie den Gefühlen freien Lauf – und sprang vor lauter Übermut aus dem Stand einen Rückwärtssalto. Das Vierer-Gold trieb Lochner immer wieder die Tränen in die Augen. „Das war das schönste Rennen meines Lebens“, sagte der neue Doppelolympiasieger lachend und betonte: „Unglaublich, dass der Plan bei meiner letzten Fahrt so aufgeht, das wird ewig dauern, bis ich das realisiere.“ Der Traum habe sich „zwei Jahre in meinem Kopf abgespielt, und dass er jetzt wahr ist: unbeschreiblich. Das ist ein Moment für die Ewigkeit. Das ist der perfekteste Abschluss überhaupt.“
Der bei EM, WM und Olympia bislang 16 Mal als Zweiter angekommene Bayer hat zum Ende seiner 15-jährigen Karriere einen goldenen Schlusspunkt gesetzt. „Gold-Hansi“ konnte sein Glück nicht fassen, flippte mit seinen Anschiebern vor Freunde aus. Mit dabei waren auch die erfolgreichsten Rodler Tobias Wendl und Tobias Arlt, die am Abend bei der Abschlussfeier in Verona die deutsche Fahne tragen sollten.
Laura Nolte und Deborah Levi hatten am Abend zuvor mit dem Sieg im Zweierbob wieder die Goldspur gelegt. Mit dem Silber von Lisa Buckwitz und Neele Schuten hatte der Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD) die Medaillen 16 und 17 geholt. Damit wurde die Traumbilanz von Peking 2022 mit 16 Medaillen schon vor dem Viererbob-Rennen mit zwei weiteren Plaketten übertroffen.
Mit dem Double im Zweier- und Viererbob hat Lochner ein kleines Kapitel in der 94-jährigen Bob-Historie geschrieben. Denn er ist weltweit der siebte Bobpilot, der das schaffte. Zugleich hat er seinen neuen Anschieber Margis zum erfolgreichsten Bobfahrer bei Olympia gemacht. Denn fünf Olympiasiege hat noch kein Athlet im Boblager geschafft. Margis hört wie Lochner auf. Friedrich lässt seine Zukunft offen und scherzt: „Vielleicht machen wir drei Jahre Pause und kommen dann in La Plagne zurück“. Dort steht die Olympia-Bahn von 1992 und für 2030.
Jetzt allerdings steht die große Party im deutschen Haus an. Nach dem Sieg im kleinen Schlitten war der Ur-Bayer Lochner schon grantig, weil der Zeitplan keine Gold-Feiern zugelassen hatte. Das will er jetzt mit rund 50 Freunden nachholen. „Das deutsche Haus brennt“, kündigte Lochner an, während Trainer, Staff und Mechaniker im Außen-Quartier grillen. „Es sind so viele Leute da. In Korea und China haben wir das Vergnügen ja nicht gehabt. Jetzt ist es quasi vor der Haustür“, meinte „Gold-Hansi“, dessen Frau Hannah die Triumphfahrt an der Bahn verpasste, weil sie sich um den erkrankten Sohn Jonas kümmern musste.SID