ZUM TAGE

Emotionen sind das Salz in der Suppe

von Redaktion

Olympia-Abschluss

Der Schampus spritzte, die Freunde warteten im Ziel und die Fans feierten mit. Die Verabschiedung von Franzi Preuß und Dorothea Wierer war alles andere als steril. Die Biathlon-Familie bereitete ihren Heldinnen einen großartigen Rahmen, an dessen Ende Menschen mit großen Franzi-Konterfeis fröhlich hinter Preuß herumhüpften, während die Interviews gab.

Es waren Bilder, wie man sie von Weltmeisterschaften oder dem Saisonabschluss kennt, die aber für Olympia außergewöhnlich sind. Man kann darüber streiten, ob man Olympiasiegerin Michelon damit vorerst zur Nebenfigur degradierte, und doch lieferte Antholz die Momente, die Linus Straßer in Bormio vermisste. Auch Skicrosserin Daniela Maier hätte ihre Lieben gerne näher bei sich gehabt. Emma Aichers Eltern schafften es nur dank DSV-Tricks zu ihrer Tochter ins Ziel.

Natürlich geht es bei Olympia um Gold, Silber und Bronze. Aber auch um Emotionen. Philipp Raimunds Bruder, die Eltern von Huw Nightingale, das Schweizer Curling-Baby, Maiers Aperol-Plakat-Freundin – das rundet die Leistungen ab. Für die Beteiligten und für die (TV-) Zuschauer.

Für Franziska Preuß war es jedenfalls Balsam auf die geschundene Seele. Wegen zuvor vieler negativer Emotionen. Als „Psychoterror“ bezeichnete sie so manches in den Sozialen Medien. Auch Teamkollegin Vanessa Voigt schimpfte. Beide haben recht, dass Kommentare unter der Gürtellinie unangebracht sind. Es ist auch richtig, das anzusprechen. Aber, die Nebenbemerkung sei erlaubt: Als Biathlet lebt man zumindest am Wettkampfort in einer Wohlfühloase. Es wird gejubelt, ganz gleich, wie viele Fehler jemand schießt. Es gibt kein Pfeifkonzert, wenn man die Matte betritt. Da haben es andere Profisportler schwerer.

Das soll die Aussagen einiger, weniger Hirnloser aber nicht verharmlosen. Zumal das Thema für Preuß & Co. scheinbar eine nicht unwesentliche Rolle gespielt hat, die sich womöglich in den Leistungen niedergeschlagen hat. Denn mental war das Team nicht auf der Höhe. Das ist schade, denn das sind definitiv nicht die Emotionen, die man bei Olympia sehen will.

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