Pfiat di, Franzi!

von Redaktion

Die deutsche Biathlon-Königin dankt ab – Antholz bereitet ihr einen grandiosen Rahmen

Für Olympia ein untypisches Bild: Das Team und ihre Freunde schafften es in den Zielbereich und empfingen Preuß mit dem Schriftzug „Danke Franzi“. © Schmidt/dpa

Franziska Preuß spritzte im Ziel mit Sekt – sie hatte es unter anderem auf Dorothea Wierer abgesehen, die ebenfalls ihre Karriere beendete. © Schmidt/dpa

Antholz – Franziska Preuß ist bei ihrem letzten Tanz ordentlich ausgerutscht, doch das war allen egal. Den 20 000 frenetischen Fans. Ihren Eltern. Dem Verlobten Simon Schempp. Den Weggefährten um Ex-Teamkollegin Vanessa Hinz – und der Tänzerin selbst. „Das war ein super Abschluss. Auf der letzten Runde habe ich mich nicht mehr gestresst“, sagte Preuß, die nach sieben Strafrunden und Platz 28 im Massenstart von einer großen Traube im Zielraum empfangen wurde.

Die Tribüne hielt erst ein „Danke“-Plakat hoch, dann schallten „Franzi, Franzi“-Sprechchöre durch die riesige Arena und Preuß bekam ein Krönchen aufgesetzt. „Eigentlich wollte ich nicht mehr weinen, aber da war es zu spät“, sagte die 31-Jährige sichtlich erleichtert.

Wer die Gesamtweltcupsiegerin des Vorjahres in den vergangenen Tagen beobachtete, merkte, dass sie gedanklich weit weg war. Auch den Entschluss, sofort nach Olympia aufzuhören, hatte Preuß insgeheim lange gefasst. Verkündet hatte sie ihn erst in Antholz. Preuß bestätigte, dass sie „kaum erwarten“ konnte, „dass es rum ist“.

Viele Jahre hatte die so krankheitsanfällige Wasserburgerin enorme Entbehrungen auf sich genommen. Die Familie nur mit Maske getroffen. Weihnachten draußen gefeiert. Immer in der Sorge, sich etwas einzufangen. „Jetzt ist es einfach egal, wenn man mal angeschlagen ist. Es ist wurscht, ob es dann eine Woche oder zehn Tage dauert, bis man wieder fit ist“, sagte Preuß.

„Sie ist eigentlich in alles reingetappt, wo man hineintappen kann“, sagte Sportdirektor Felix Bitterling, dem es „leidtat“, dass sein Aushängeschild nicht das Happy End hatte, das ihr alle „gewünscht“ hätten. Der Abschiedsauftritt war trotz des Fehlerfestivals ein besonderer. Vor allem, weil Preuß und der Italienerin Dorothea Wierer, die ebenfalls ihr letztes Rennen bestritt, eine Party bereitet wurde, die für olympische Verhältnisse speziell war.

Selbst die mit nur einer Medaille historisch schlechte DSV-Bilanz rückte in den Hintergrund. „Wir müssen das knallhart analysieren“, sagte Bitterling. Natürlich sei man oft nah dran gewesen. Aber es ist auch so, dass die „Konkurrenz diesen Sprung aufs Podium geschafft hat, den letzten Schuss getroffen hat“ oder die entscheidenden „zehn Sekunden herausgelaufen ist“.

Preuß war die erhoffte Einzelmedaille nicht mehr vergönnt und auch der bis dahin fehlerfreien Vanessa Voigt versagten beim allerletzten von 20 Schüssen die Nerven. Statt ihr standen Olympiasiegerin Oceane Michelon, Silber-Gewinnerin Julia Simon und die Überraschungs-Dritte Tereza Vobornikova aus Tschechien in den Katakomben Rede und Antwort, während sich Preuß an der Oberfläche durch den Medienmarathon kämpfte. Ein letztes Mal. Auch das wird sie mit Sicherheit nicht vermissen.MATHIAS MÜLLER

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