Als das 3:2 des FC Bayern gegen Frankfurt am Samstag abgepfiffen war, richteten sich die Augen nach Lissabon. Doch die Antwort von Jose Mourinho auf die im Zuge des mutmaßlichen Rassismus-Skandals um Vinicius Junior geäußerten Worte von Vincent Kompany hatte eigentlich keine Aufmerksamkeit verdient. Bitte keine Fragen mehr, bitte den Fokus auf den Platz richten – mehr gab es vom Benfica-Trainer nicht. Bedauerlich! Denn die Tür stand sperrangelweit offen.
Überraschend war das nicht, „the special one“ hat schon immer gemacht, was er will. Deshalb sollte er auch nicht als Maßstab gelten für den Rest der Fußball-Welt, die Kompany mit seiner knapp zwölfminütigen Rede am Freitag doch verändert hat. Wenn einem Mann wie Christian Streich die Worte fehlen, Max Eberl ergriffen ist und Herbert Hainer vom „Sechser im Lotto“ spricht, hat man ziemlich viel richtig gemacht. Noch mehr Nachdruck allerdings verschaffte Kompany seinen klugen Worten mit wenigen Sätzen und einer Geste am Tag darauf. Er faltete all seine zehn Finger ineinander, als er aussprach: „Wir sollten daran wachsen!“
Wie man das umsetzen will und kann, muss sich jeder selbst fragen. Und trotzdem zeigt der Sachverhalt, welche Strahlkraft vom Sport ausgehen kann. Sieht man Kompany, wird das gängige Totschlagargument „Fußball darf nicht politisch sein“ noch dünner, als es eh schon war. Protagonisten mit Mut, Weitblick und Verantwortung finden Gehör – und können Türen öffnen. Der Rest, der nichts sagt, sollte wenigstens durchgehen.