Zurück im Spiel

von Redaktion

1860 schlägt Rostock durch umstrittenen Jacobsen-Elfer – Aufstiegsplätze wieder sichtbar

Nordisch-cool: Mit einem frechen Lupfer vom Kreidepunkt brachte Kapitän Jacobsen seine Löwen in Führung. © Sampics

Wahlhelfer: Die Löwen-Profis warben vor dem Anpfiff für Kreuzchen an der richtigen Stelle. © Samnpics / Stefan Matzke

München – Lauth, Aigner und ein Hansa-Eigentor. Der Name der Torschützen verrät: Der letzte Löwen-Sieg gegen Rostock lag lange zurück. Am 22. Januar 2010 siegte 1860 in der 2. Liga mit 3:0. Am Sonntag, ein Teenagerleben später, war es wieder soweit: Durch einen umstrittenen Elfmeter, verwandelt von Kapitän Thore Jacobsen (48.), rangen die Löwen ihren Angstgegner mit 1:0 (0:0) nieder, schafften somit den zweiten Sieg in der Rückrunde der 3. Liga und orientieren sich in der Tabelle wieder nach oben. Der FC Hansa ist wieder erreichbar (ein Punkt), vielleicht sogar die Direktaufstiegszone (sieben Punkte).

„Das war eine abgeklärte Leistung“, fand Torhüter Thomas Dähne: „Den Elfmeter nehmen wir gerne mit. Wir sind schon so oft benachteiligt worden.“ Trainer Markus Kauczinski sprach von einem „schmalen Grat“. Solche Strafstöße wolle er eigentlich nicht gepfiffen bekommen: „Im ersten Moment sieht es nach Hand aus. Ich bin kein Freund solcher Entscheidungen.“ Gleichwohl gehöre das zum Fußball dazu: „Wir haben dadurch auch schon viel verloren – diesmal war der Moment auf unserer Seite.“

Im Hinspiel hatte sich Jesper Verlaat schwer verletzt (und in Belek erneut) – gestern saß der Kapitän erstmals wieder auf der Bank, die inzwischen deutlich prominenter bestückt ist. Auch andere Ex-Sorgenkinder nahmen dort Platz (Niederlechner, Schröter) – und etwas überraschend auch Patrick Hobsch. Volland oder Philipp? Kauczinski löste das Offensivrätsel auf seine Weise und schickte beide Kreativspieler auf den Rasen. Doppel-Acht statt Doppelspitze – hinter Sigurd Haugen natürlich, der als ehemaliger Hansa-Profi erklärt hatte, Rostock sei für ihn das „Spiel des Jahres“.

Die Löwen, taktisch in einem modernen 3-2-4-1-System angeordnet, liefen aber zunächst hinterher. Hansa übernahm die Spielkontrolle, 1860 hatte Mühe, an den Ball zu kommen. Die ersten Halbchancen gehörten dann aber den Gastgebern: Erst ein geblockter Haugen-Versuch, dann ein Kopfball von Voet aus dem Hintergrund. Immerhin: Die Löwen zeigten, dass sie etwas vorhatten.

Wie im Hinspiel warf die Kogge mit ihrer groß gewachsenen Besatzung sehr viel Körperlichkeit in die Waagschale. Immer wieder lag ein Löwe am Boden, doch anders als beim 1:2 an der Ostsee wehrten sich die Löwen, allen voran Maskenmann Haugen, seit seinem Comeback ein Aktivposten. Weniger zu sehen war dafür von Kevin Volland, der seine Gelbsperre abgesessen hatte. Auf der ungewohnten Position als halbrechter Achter kam er seltener an den Ball als üblich. Dafür musste er häufiger taktische Lücken schließen, was ihm schwerfiel.

In einer ereignisarmen ersten Halbzeit ging das meiste Leben von den Fanblocks aus. 1500 Hansa-Fans machten Lärm, die Westkurve antwortete stimmgewaltig – und kurzzeitig mit blauem Pyro-Rauch. Fest stand: Die auf Fehlervermeidung angelegte Herangehensweise auf dem Rasen spielte vor allem den Gästen in die Karten, die mit einem Vier-Punkte-Polster auf 1860 angereist waren.

Das für die Löwen ungünstige 0:0 verschwand dann schnell von der Anzeigetafel. Eine Minute nach Wiederanpfiff gab es Elfmeter für die Gastgeber: Philipp hatte geflankt, Gürleyen im Wegdrehen den Ball gegen den Ellbogen bekommen. Schiedsrichter Luca Jürgensen, der den Löwen in Aue ein klares Eckballtor geklaut hatte, zeigte auf den Punkt. Jacobsen nahm das Geschenk dankbar an. Nordisch-cool löffelte er den Ball in die Maschen (48.). Nun war der FC Hansa gefordert.

Rostock war fortan die aktive Mannschaft, 1860 verlegte sich aufs Kontern, ließ den Anhang aber zittern, weil sämtlichen Abschlüssen die Präzision fehlte. Am Ende egal. Die Löwen sind zurück im Aufstiegsrennen – und reisen am Freitag mit ganz breiter Brust nach Hoffenheim. Auch dort ist nach dem 1:5 im Heimhinspiel eine Rechnung offen.ULI KELLNER

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