Anruf von Trump, Bier mit dem FBI-Boss

von Redaktion

Amerikas Eishockey-Helden lassen es krachen – Jack Hughes träumte vom Overtime-Tor

Nationalheld Connor Hellebuyck. © dpa/Peter Kneffel

Mailand – Donald Trump gratulierte bei der Gold-Party der neuen amerikanischen Eishockey-Helden nur am Telefon, den Vorsänger in der Kabine gab der Direktor des FBI. Völlig entfesselt schüttete Kash Patel nach dem „Miracle on Ice 2.0“ erst das Bier in sich hinein und spritzte es dann grölend durch die Gegend, während ihm NHL-Star Matthew Tkachuk die Goldmedaille um den Hals hängte.

Und irgendwann klingelte dann auch Patels Boss durch, prompt stellte er den Präsidenten auf Lautsprecher. „Das war ein unglaubliches Spiel. Ich kenne niemanden, der das Spiel nicht geguckt hat. Ihr werdet noch in 50 Jahren stolz darauf sein“, sagte Trump nach dem 2:1-Sieg nach Verlängerung im olympischen Finale gegen den kanadischen Erzrivalen – auf den Tag genau 46 Jahre nach dem sensationellen Triumph über die Sowjetunion in Lake Placid.

Trump wäre nun nicht Trump, wenn er diese sportliche Sternstunde nicht politisch auszuschlachten versuchte. „Am Dienstag halten wir die Rede zur Lage der Nation. Ich könnte ein Militärflugzeug senden. Wenn ihr Lust habt …“, sagte Trump – und erntete Gejohle von den Spielern. Dann fügte Trump noch an, die Männer müssten wohl auch das Frauen-Team, das in Mailand ebenfalls Gold gewonnen hatte, mitbringen, ansonsten würde er „wahrscheinlich ‚impeached‘ werden.“ Wieder folgte Gelächter.

Ob das wirklich alles so hinhaut, ist fraglich, immerhin nimmt schon am Mittwoch die NHL ihren Spielbetrieb wieder auf. „Ich denke, dass es hinsichtlich unserer Heimreise noch viele Unwägbarkeiten gibt. Wir werden sehen, was passiert“, sagte US-Kapitän Auston Matthews. Nichtsdestotrotz feiert eine ganze Nation den Sieg über Kanada in einem Endspiel, das wegen der Trumpschen Annexionsrhetorik politisch aufgeladen, aber auch sportlich bemerkenswert war.

Torhüter Connor Hellebuyck machte mit 41 Paraden das Spiel seines Lebens, brachte die stetig drückenden Kanadier zur Verzweiflung – und beeindruckte damit sogar Trump. „Ich will all eure Hände schütteln, aber vor allem die des Goalies“, sagte er. Auch US-Headcoach Mike Sullivan befand: „Connor war heute ein Held für unser Team, ohne Zweifel.“ Und dann wäre da natürlich Jack Hughes, der sich mit seinem umjubelten Siegtor nach 1:14 Minuten in der Overtime ein Denkmal setzte.

Und der 24 Jahre alte Angreifer der New Jersey Devils hatte in der Nacht zuvor eine Vorahnung. Zwei Stunden lang habe er mit Bruder und Mitspieler Quinn auf dem Zimmer wachgelegen. „Dann fragt er: Woran denkst du? Und ich sage: An mein Siegtor morgen in der Overtime“, erzählte Hughes: „Davon träumst du, wenn du sechs oder sieben Jahre alt bist. Das ist der beste Moment im US-Eishockey seit Langem.“

Den musste Hughes zwar teuer bezahlen, tat dies aber nur zu gern. Der Kanadier Sam Bennett hatte ihm mit einem hohen Stock zwei Zähne abgebrochen. „Ich habe auf das Eis geschaut und sah meine Zähne. Und ich dachte mir: Jetzt geht das schon wieder los“, sagte Hughes. Doch Blut und Schmerzen konnten verhindern, dass der Stürmer den Puck ins Netz schoss. SID

Artikel 1 von 11