Panenka im wichtigsten Spiel der Saison: Elfer-Experte Thore Jacobsen. © Sampics / Stefan Matzke
München – Erschöpft fielen sie sich in die Arme, pure Freude in den Gesichtern, die abfallende Anspannung greifbar. Bei den zu Ende gegangenen Winterspielen hat man solche Bilder häufig gesehen, doch diesmal jubelten keine Staffelläufer – sondern Raphael Schifferl, Siemen Voet und Max Reinthaler, das Adrenalin vom 1:0-Sieg gegen Rostock noch in den Adern. Das Schlussbild in Worte gekleidet: Es geht weiter im Aufstiegsrennen für die Löwen! Dabei sein ist schließlich alles. Das olympische Motto, diesmal auf dem Rasen des 60er-Stadions.
Jeder wusste: Selbst ein Unentschieden hätte die Saison früh ins Niemandsland geführt. In der 3. Liga ist es wie bei Olympia: Wer am 16. Mai auf einem der drei Stockerlplätze steht, veredelt seine Saison – allen dahinter bleibt nur Blech. Schifferl war anzusehen, was dieser Sieg bedeutete. Die Alternative wären zwölf zähe Wochen ohne echte Perspektive gewesen. Aus diesem Anlass vergibt unsere Redaktion verspätete Medaillen.
Gold für Goldfuß Jacobsen
Sechster Saisontreffer, vierter verwandelter Elfmeter – und was für einer! So frech wie diesmal ist Thore Jacobsen noch nie angetreten. Panenka im wichtigsten Spiel der Saison. Wehe, Uphoff wäre stehen geblieben… „Seine Verantwortung, wie er schießt“, sagte Trainer Markus Kauczinski und adelte seinen Kapitän als „coole Socke“. Auch die Kollegen staunten. „Er hat diese Aura“, sagte Voet: „Er bleibt locker und übernimmt Verantwortung.“ Tim Danhof ergänzte: „Bei Thore hat man immer ein gutes Gefühl.“ Und das alles bei einem gefühlten Ruhepuls von 50. Die Gesichtsmaske von Sigurd Haugen hat beim Anhang bereits Kultstatus erreicht – über eine Jacobsen-Pulsuhr oder einen Thore-Löffel für den Fanshop sollte ebenfalls nachgedacht werden.
Silber für die neue Defensive
Kein Zufall, dass das jubelnde Abwehrtrio das Motiv des Tages lieferte. Nach sieben Spielen mit Gegentoren stand nun zum zweiten Mal hintereinander die Null. Die Mentalitätsdebatte nach dem Stuttgart-Spiel (1:2) scheint gewirkt zu haben. Voet sieht eine klare Entwicklung: „Unsere Energie war nicht gut, aber jetzt sind wir wieder da. Das Wichtigste ist, dass wir zusammenarbeiten.“ Gerade dann, wenn spielerisch nicht alles gelingt: „Die Fans wollen sehen, dass wir kämpfen.“ Sein persönlicher Maßstab macht Schule: „Für mich ist es das Wichtigste, die Null zu halten.“
Bronze für die Perspektive
Am Sieben-Punkte-Rückstand auf Platz drei hat sich durch den Big Point gegen Rostock nichts geändert. Dafür ist das Feld enger zusammengerückt. Entscheidend: Die Konkurrenz ist nicht enteilt. „Ich glaube, das kann uns einen richtigen Aufschwung geben“, sagte Danhof. Auch die Bilanz unter Kauczinski macht Mut: 1,80 Punkte pro Spiel trotz Rückschlägen und Personalsorgen. Rechnerisch sind noch 78 Punkte möglich. Viel spricht dafür, dass weniger reicht. Als Vorbild dient Bielefeld, das vorige Saison spät durchstartete und noch als Meister aufstieg.
Danhof sagt: „Unser Ziel ist, dass es für uns nicht um die Goldene Ananas geht.“ Voet schiebt eine Kampfansage hinterher: „Mit den Spielern, die zurückkommen, können wir noch stärker werden. Ich glaube weiter an uns!“ULI KELLNER