DOSB-Präsident Thomas Weikert lehnt Beschränkung ab.
Mailand – Alarmiert vom nächsten Olympia-Katzenjammer sehen die Macher des deutschen Sports die Rettung mehr denn je in einer gewagten Wette auf die Zukunft. Die Bewerbung für Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 soll den Abwärtstrend bei Olympia umkehren. „Unser Land will und braucht diese Spiele“, stellte Sport-Staatsministerin Christiane Schenderlein (CDU) fest und versprach: „Dafür geht die Bundesregierung jetzt all in.“
Bei fast jeder Gelegenheit betonten Funktionäre, Spitzenpolitiker, Athletinnen und Athleten sowie TV-Experten und Edelfans während der Winterspiele in Italien, welchen Schwung ein Heim-Olympia in den nur noch bedingt wettbewerbsfähigen Spitzensport bringen würde. Als Belege dafür dienen die jüngsten Spiele-Gastgeber. Die Briten sind seit London 2012 eine Sommersport-Macht, China bei zwei Peking-Spielen und Frankreich in Paris 2024 organisierten sich daheim ebenfalls eine Rekord-Medaillenbilanz.
Das gelang auch den Italienern in den vergangenen zwei Wochen. Mit 30 Mal Edelmetall, davon 10 Mal Gold, überboten die Gastgeber ihre bisherige Winter-Bestmarke deutlich. Und ließen auf Platz vier der Nationenwertung auch das deutsche Team hinter sich. „Das Abschneiden dieser Nationen im Medaillenspiegel zeigt, dass Olympische Spiele im eigenen Land ein enormer Entwicklungsmotor sind“, sagte der deutsche Chef de Mission Olaf Tabor. Einen „Booster für unsere Sportpolitik“ erwartet sich Schenderlein von dem Olympia-Projekt.
Berlin, München, Hamburg und die Rhein-Ruhr-Region stellen sich als nationale Kandidaten zur Wahl, im September entscheidet die Mitgliederversammlung des DOSB. Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ist für die Olympia-Bewerbung – nur bitte nicht für 2036. Das sei 100 Jahre nach den Nazi-Spielen in Berlin „historisch problematisch“, mahnte Steinmeier.
DOSB-Präsident Thomas Weikert lehnt eine solche Beschränkung ab. „Wir müssen bereit sein, die Spiele auszurichten, wenn wir dran sind. Das betrifft alle drei Editionen“, sagte Weikert. Vor 2040 aber dürften die Sommerspiele wohl sowieso nicht wieder nach Europa kommen, für 2036 gilt Asien mit Indien oder Katar als klarer Favorit.DPA