Bisher nur ein grober Plan: Die Spiele 2030 in den französischen Alpen.
München – Seid nicht zu traurig, so lautete die Botschaft von Kirsty Coventry vor historischer Kulisse in Verona, denn es geht ja bald schon weiter. „Ich rufe die Jugend der Welt auf, sich in vier Jahren in den französischen Alpen zu versammeln“, sagte die IOC-Präsidentin am späten Sonntagabend nach dem offiziellen Ende der Winterspiele in Norditalien. Was sie nicht sagte: Es wird eine Reise ins Ungewisse.
Denn klar ist nur, dass so gut wie nichts klar ist. Immerhin, für die Ausgabe in vier Jahren gibt es einen Gastgeber und einen Termin: Frankreich mit dem Hauptort Nizza, 1. bis 17. Februar 2030. Doch Finanzen, Austragungsorte und Sportarten – das alles ist bestenfalls teilweise geklärt. Nicht zuletzt aufgrund der Kurzfristigkeit: Das Internationale Olympische Komitee hat die Spiele erst im Juli 2024, fünfeinhalb Jahre vor der Eröffnung, an den Spontan-Bewerber Frankreich vergeben.
Seither wird hastig am Konzept gearbeitet, das Herausforderungen und Strapazen mitbringt. Der Weg von Nizza am Mittelmeer in die Alpen mit den derzeit geplanten Wettkampf-„Zonen“ Briancon, Savoyen und Hochsavoyen ist weit, teils sechs Autostunden. Aber auch die Bergcluster werden bis zu 200 Kilometer trennen. Zudem: Ob überall auch Wettbewerbe stattfinden und welche genau: noch nicht sicher.
Das Organisationskomitee um Edgar Grospiron, 1992 Olympiasieger auf der Buckelpiste, steht unter Druck. „Es bleibt wenig Zeit zu verlieren“, sagte IOC-Exekutivdirektor Christophe Dubi am Wochenende. Das heißt nicht weniger als: Es herrscht Alarmstufe Rot! Ja, räumt Grospiron ein, über 15 Prozent der Sportarten und auch der Austragungsstätten sei noch nicht entschieden worden.
Als nahezu sicher gilt, dass zum ersten Mal in der Geschichte nicht alle Wettbewerbe im Gastgeberland der Spiele stattfinden werden. In Frankreich gibt es derzeit keine geeignete Halle für Eisschnelllauf, gebaut werden soll keine – die italienische Metropole Turin, Olympiagastgeber 2006, oder das Eisschnelllauf-Mekka Heerenveen in den Niederlanden stünden zur Verfügung. Mit dem IOC sei eine entsprechende Vereinbarung getroffen worden, sagt Grospiron.
Völlig unklar ist nicht zuletzt, wie das Programm 2030 aussehen wird. Die Nordische Kombination steht beim IOC auf der Kippe, der Parallel-Riesenslalom der Snowboarder ebenso. Zugleich werden gleich mehrere Sportarten, allesamt publikumswirksam oder geeignet für Schnipsel im Netz, als Neuaufnahmen gehandelt. Grospiron selbst hat vor einem Jahr unter anderem Telemarken, Icecross oder Speedskiing genannt. Die Entscheidung fällt letztlich das Internationale Olympische Komitee.
Dessen Präsidentin Kirsty Coventry hat verschiedene Arbeitsgruppen ins Leben gerufen, darunter eine, die sich mit dem Wettkampfprogramm beschäftigt. Unter der Leitung des österreichischen IOC-Mitglieds Karl Stoss soll diskutiert werden, ob nicht auch Cyclocross, Crosslauf oder Schneevolleyball tauglich für Winterspiele seien. Oder Eishockey in einer 3×3-Variante.
Die zahlreichen offenen Baustellen machen das IOC offenkundig nervös, auch wenn Exekutivdirektor Dubi versichert: „Wir wissen sehr genau, wo wir stehen und was wir tun müssen.“SID