ZUM TAGE

Die Uefa pfeift auf die Unschuldsvermutung

von Redaktion

Brisantes Rückspiel Benfica vs. Real

Deeskalation kann die Uefa. Siehe den Fall Vinicius/Prestianni, infolgedessen der Kontinentalverband sogar aufs Gesetz pfeift. Denn der Spieler von Benfica Lissabon, der den Brasilianer von Real Madrid im Playoff-Hinspiel der Königsklasse als „Affen“ rassistisch beleidigt haben soll, wurde vor Ende der offiziellen Untersuchung und ohne handfeste Beweise für das Rückspiel heute Abend vorläufig gesperrt. Dabei handelt es sich rein legal um eine äußerst fragwürdige Entscheidung, da sie das fundamentale Prinzip der Unschuldsvermutung eindeutig untergräbt. Das aber wird gerne in Kauf genommen.

Denn: Mit Prestianni hätte sich dieses Fußballspiel um alles gedreht, nur nicht um Fußball. Vor Anpfiff hätten Vinicius & Co. den Argentinier beim Abklatschen demonstrativ ignoriert, zudem wäre dem Flügelspieler bei jedem Ballkontakt der blanke Hass der Fans entgegengeschlagen – für alle Beteiligten kein einfaches Unterfangen! Der sportliche Aspekt hätte einer Hexenjagd weichen müssen, was die Uefa vermeiden wollte. Und vermieden hat.

Kritisch beäugt werden muss die Resolution trotzdem. Denn auch wenn sie Prestianni zur Lageentschärfung aus dem Verkehr zieht, so macht die Uefa das ohne juristische Basis. Sie verweist auf einen Artikel zu diskriminierendem Verhalten – dieses kann Prestianni aber wie erwähnt nur vorgeworfen und nicht nachgewiesen werden. Seine Trikot-über-den-Mund-Geste spricht eher dafür, einen Beweis gibt es aber nicht. Den Spieler trotzdem – ohne zeitlichen Revisionsrahmen – zu sperren, ist mindestens bedenklich. Dass Benfica ihn dennoch mit nach Madrid reisen lässt, auch.

Noch ein Wort zu Nebendarsteller José Mourinho, der in unsäglicher Manier versucht hatte, die mutmaßliche rassistische Anfeindung seines Spielers irgendwie mit Vinicius’ provokantem Jubel zu rechtfertigen: Dass sich der Portugiese unter Vorbehalt seiner Rotsperre vor der Pressekonferenz gedrückt hat, spricht ebenfalls Bände. Aber „The Special One“ hatte ja bereits Bayern-Trainer Vincent Kompany auf einer anderen Pressekonferenz unmissverständlich porträtiert.

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