Seltener am Ball: Joshua Kimmich. © IMAGO/Ruiz
München – Ausgerechnet Mister Zuverlässig schwächelt. Joshua Kimmich gilt seit Jahren als sichere Bank beim FC Bayern. Doch nach einer überragenden Hinrunde blieb er 2026 – seit überstandenen Sprunggelenksproblemen – unter seinen Fähigkeiten. Ausgerechnet vor dem Klassiker in Dortmund am Samstag (18.30 Uhr, Sky) steckt Kimmich in einer kleinen Formkrise.
„Es ist eine normale Delle, wenn man überhaupt davon sprechen kann. Und die sei ihm auch mal zugestanden“, sagt Ex-Bayern- und BVB-Verteidiger Thomas Helmer unserer Zeitung. Die Zahlen belegen Kimmichs Leistungsabfall. Laut Spox sammelte er bis zur Winterpause in der Bundesliga pro 90 Minuten im Schnitt 125 Ballaktionen, seitdem sind es nur noch 104. Am vergangenen Samstag gegen Frankfurt (3:2) kam er gar nur auf 71.
2026 ist auch Kimmichs Zweikampfquote zurückgegangen: von rund 58 auf 51 Prozent. Gegen Frankfurt lag sie nur bei 33 Prozent. Seit dem Jahreswechsel war Kimmich schon an drei Gegentoren entscheidend beteiligt: gegen Augsburg (1:2), Hamburg (2:2) und zuletzt am späten Anschlusstreffer gegen Frankfurt, als er Minjae Kim mit einem Rückpass unnötig in Bedrängnis brachte. „Dass er davor ausrutscht – dafür kann er nichts. Aber in die Mitte spielen darf er nicht. Das weiß er selbst. Das passiert ihm aber auch extrem selten“, so Helmer.
Aus Sicht des Europameister von 1996 täten Dauerbrenner Kimmich bewusst gewählte Pause gut. „Er hat viele Spiele gemacht. Er will ja immer spielen. Das ist eher das Problem. Manchmal muss man ihm sagen: Nimm dich mal raus“, meint Helmer. Nur am 22. November gegen Freiburg (5:2) saß Kimmich das gesamte Spiel über auf der Bank. Auch am 24. Januar gegen Augsburg stand er nicht in der Startelf. Zeit für Pausen bleiben im Frühjahr kaum noch.
„Jetzt geht die titelentscheidende Phase der Saison los. Vor allem in der K.o.-Phase der Champions League ist es wichtig, dass man voll da ist“, stellt Helmer klar. „Jetzt kommen die schwierigen Aufgaben. Da ist auch Joshua gefragt.“
Erstmal wartet Bundesliga-Verfolger Dortmund. „Ich tippe auf ein 2:2. Dortmund ist schon schwer zu schlagen, sie haben in dieser Saison in der Bundesliga nur gegen Bayern verloren“, sagt Helmer. „Für mich sind die Münchner aber schon Favorit. Dortmund fehlen viele Defensivspieler. Ich hoffe aber, dass der BVB erkennt, dass man Bayern schlagen muss, um noch eine kleine Chance auf den Meistertitel zu haben.“ Kimmich und die Bayern haben etwas dagegen.P. KESSLER, H. RAIF