Lisa Müller: Ich bin gerne „Dummerl“

von Redaktion

Ehefrau über die Fernbeziehung zu ihrem Thomas – der in MLS Revanche an Messi will

Politisch engagiert: Müller am Montag. © Bayer/dpa

München – Wie sich eine Fernbeziehung anfühlt, wissen die Müllers inzwischen. Seit August des vergangenen Jahres liegen knapp 8500 Kilometer Luftlinie zwischen der Dressurreiterin und dem Fußballprofi; Lisa lebt im Gestüt Wettlkam, Thomas im kanadischen Vancouver. Dass eine 17 Jahre lange Ehe die räumliche Trennung aushalten kann, hat Lisa am Montagabend bei einer Wahlkampfveranstaltung mit CSU-Oberbürgermeisterkandidatin Melanie Huml in Bamberg ausgeplaudert: „Er als Sportler weiß, wie sehr ich für meinen Sport lebe. Ich als Sportlerin weiß, wie sehr er für seinen Sport lebt.“ Und so muss es halt für eine kurze Lebensepisode ohne einander gehen.

„Die Entscheidung ist uns nicht leichtgefallen“, führte die 36-Jährige aus – aber sie war die richtige. Und sie passt auch zu dem Leben, das Lisa Müller sich lange im Schatten von Thomas in den vergangenen zwei Jahrzehnten aufgebaut hat. Der Stempel „Spielerfrau“ hat lange an ihr geklebt, heute gibt sie zu: „Ich habe am Anfang lange versucht, dagegen anzukämpfen und zu sagen: Ich bin mehr, ich kann reiten.“ Inzwischen aber sei es ihr „egal“, wenn sie von der Öffentlichkeit in die Nische der dekorativen Anhängsel gesteckt wird. Die Frau, die Thomas schon zu Schulzeiten kennen und lieben lernte, weiß, was sie kann – und findet es sogar „manchmal ganz amüsant“, unterschätzt zu werden.

Ungewohnt offen plauderte Müller in einer Bamberger Bäckerei aus: „Es ist manchmal auch schön, für das Dummerl gehalten zu werden, dann kann man Menschen mehr beeindrucken, wenn sie mit einem reden.“ Inzwischen tut sie das nicht nur mit ihrer Expertise über Pferde und Zucht, sondern auch in der Politik. Nach einem Schnupperpraktikum im Bayerischen Landtag tritt die Reiterin immer öfter auf dem politischen Parkett auf. Bisher hat sie Anfragen nach einer Kandidatur in ihrem Stimmkreis aber abgelehnt: „Ich bin zu viel Schisser gewesen. Ich habe mich nicht getraut, weil ich dachte, ich kenne mich zu wenig aus.“ Aber wer weiß, was die Zukunft bringt.

Was sicher ist: dass sie Ehemann Thomas nicht allzu schnell zurückbringen wird. Denn die MLS ist am vergangenen Sonntag in die neue Spielzeit gestartet – und sein Ziel ist klar: „Ich würde mir natürlich wünschen, dass wir wieder ins Finale kommen und es dann erneut gegen Inter Miami und Messi geht. Da ist wie gesagt noch eine Rechnung offen.“ Der Auftakt ist schon mal gelungen. Zwar traf Müller selbst nur den Pfosten, den Sieg fuhren die Whitecaps gegen Real Salt Lake trotzdem ein (1:0).H. RAIF, P. KESSLER

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