„Ohne Helm fotografiere ich nicht“

von Redaktion

Shootings an gefährlichen Surf-Spots: Christa Funk spürt die Wucht von 20-Meter-Wellen

Treuer Begleiter: Christa Funk mit Kamera. © Ocean Tour

Atemberaubende Kräfte: Ein Surfer reitet eine riesige Welle an der hawaiianischen North Shore. Christa Funk hat diesen Moment eingefangen. © Funk

Christa Funk ist Stammgast an einem der berüchtigsten Surfspots der Welt – der Banzai Pipeline auf Hawaii. Statt der perfekten Welle jagt sie das spektakulärste Motiv. Seit zehn Jahren arbeitet die US-Amerikanerin als Surf-Fotografin. In der Szene ist die 35-Jährige angesehen, die weltbesten Surfer loben sie in den höchsten Tönen. Funks Geschichte wurde in „First In, Last Out“ verfilmt. Das Porträt ist morgen (20 Uhr, International Ocean Filmtour, Rio Filmpalast) erstmals in München zu sehen. Wir haben vorab mit der Fotografin gesprochen.

Frau Funk, Ihre Mutter musste Sie als Kind aus einem Pool retten. Wieso?

Da war ich drei oder vier Jahre alt. Meine Schwestern hatten Schwimmunterricht. Mit meiner Mama habe ich am Beckenrand gewartet. Als sie kurz nicht auf mich geschaut hat, war ich weg – und bin einfach in den Pool gegangen. Meine Mutter ist ins Wasser gesprungen und hat mich herausgezogen. Sie war schneller als die Rettungsschwimmer (lacht).

Wasser hatte wohl schon immer eine besondere Anziehungskraft auf Sie …

Ja, Wasser fasziniert mich, seit ich denken kann. Schon als kleines Mädchen mochte ich es, wenn mich eine Welle überspült hat. Irgendwie hat sich das einfach gut angefühlt. Nach der Schule bin ich zur Küstenwache gegangen und habe Meeresbiologie studiert.

Wie kamen Sie eigentlich zur Surf-Fotografie?

Mit der Küstenwache war ich damals auf Hawaii stationiert. An meinen Feierabenden bin ich regelmäßig surfen gegangen. Eines Tages sind mir dann die Fotografen im Wasser aufgefallen. Und ich habe gedacht: Hey, das möchte ich auch mal machen! Ich wollte die Surfer nicht vom Strand aus beobachten, sondern direkt neben ihnen im Meer sein. So richtig mittendrin. Das hat mich dann sehr gereizt.

Sie shooten oft an der North Shore auf Hawaii. Männer dominieren diese Spots. War es schwer, als Frau dort Fuß zu fassen?

Nein, als schwierig habe ich es nicht empfunden. Bei der Küstenwache war ich auch von vielen Männern umgeben. Ich wollte einfach gute Motive finden. Beim Fotografieren ist es wie beim Surfen. Als Anfänger muss man sich im „Line-up“ erst mal hinten anstellen. Wer respektvoll bleibt und viel Zeit investiert, steigt auf.

Heute sind Sie Stammgast an der „Pipeline“, einem der gefährlichsten Surf-Spots. Wie schützen Sie sich?

Ich trage immer einen Helm. Wenn dich ein Surfbrett am Kopf trifft, ist das brandgefährlich. Vor ein paar Jahren habe ich an einem anderen Ort ausnahmsweise mal keinen Helm getragen. Ich bin gegen das Riff geknallt und mit dem Kopf aufgeschlagen. Zwei Wochen war ich raus – und habe die besten Bedingungen verpasst. Wie in anderen Berufen muss man Erfahrung sammeln. Ohne Helm fotografiere ich nicht mehr. Egal, wie hoch die Wellen sind.

Wie hoch war die größte Welle, die neben Ihnen gebrochen ist?

Die war knapp 20 Meter hoch. Sie sind aber nicht automatisch die gefährlichsten. Auch kleine Wellen darf man nie unterschätzen. Im Meer spüre ich, welche Wucht die Natur hat. Wenn einen so große Wellen treffen, fühlt man sich wie beim Schleudergang in der Waschmaschine. Solange ich mich nicht verletze, macht es mir Spaß! Das hält meinen Adrenalinspiegel hoch.

Für das perfekte Motiv harren Sie stundenlang im Wasser aus. Wie bleiben Sie da konzentriert?

Das ist tatsächlich gar nicht so einfach. Einmal war ich über elf Stunden ohne Pause im Meer. Mit der Zeit bekommt man ein Gefühl dafür, wann es sich lohnt, im Wasser zu bleiben. Ich habe immer Snacks und Sonnencreme dabei. Man muss wachsam bleiben. Um einen herum wimmelt es von Surfern, manchmal auch von Jetskis. Was die Suche nach dem perfekten Moment angeht: Es gibt Sessions, in denen ich 3000 bis 4000 Fotos mache.

Für „First In, Last Out“ standen jetzt Sie mal im Fokus der Kamera. Wie hat Ihnen die neue Rolle gefallen?

Am Anfang war es sehr seltsam. Einfach ungewohnt. Doch das Filmteam hat es geschafft, dass ich mich wohlgefühlt habe. Im Porträt stecken drei Jahre Dreharbeiten. Es ist eine Ehre, dass so viele Menschen meine Geschichte sehen. Ich bin stolz, Teil der Ocean Tour zu sein.

IV: TOBIAS SCHWANINGER

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