New York – New York, ein Drehort für den Film „Marty Supreme“: An einem Tischtennis-Tisch stehen sich der deutsche Sportstar und der Hollywood-Schauspieler Timothée Chalamet („Like a Complete Unknown“) gegenüber. Drei Stunden lang wiederholen sie Aufschlag um Rückschlag, bis genau fünf Ballwechsel exakt so aussehen, wie das Drehbuch es vorgibt. „Am nächsten Tag hatte ich einen höllischen Muskelkater“, sagt Boll.
Acht Monate nach dem letzten Spiel seiner Karriere ist aus dem Tischtennis-Profi Boll ein Hollywood-Darsteller geworden. Der Rekord-Europameister hat eine Nebenrolle in „Marty Supreme“. Der Film ist für neun Oscars nominiert und feiert an diesem Mittwochabend seine Deutschland-Premiere. Die Hauptrollen spielen der Bob-Dylan-Darsteller Chalamet und Gwyneth Paltrow. Inspiriert ist das Drama von der Lebensgeschichte des amerikanischen Tischtennis-Spielers Marty Reisman in den 1950er-Jahren.
Dass Regisseur Josh Safdie ein großer Boll-Fan ist, kam dem ehemaligen Weltranglistenersten zugute. Er bekam schnell den Platz an der Seite des nächsten US-Schauspiel-Stars Chalamet. „Wenn er zum Set geht und sich am Set sich aufhält – dann sieht er rechts und links nichts. Dann ist er extrem fokussiert“, erzählte Boll. „Das ist ähnlich wie bei uns Sportlern.“
Im Film spielt Boll einen Tischtennis-Spieler aus der Tschechoslowakei. „Der 50er-Jahre-Stil, die Bewegung, die Technik, das Spiel mit einem Hartbrett-Schläger: Das alles mussten wir uns aneignen“, sagt er. Nach dem Drehschluss habe Boll bereits Post von der Gewerkschaft der Schauspieler in den USA bekommen. Aber: „Ich glaube eher, dass das mein letztes Filmprojekt war. Schauspieler möchte ich nicht werden“, so der 44-Jährige.DPA