Silber in der Team-Kombination: Emma Aicher (li.) und Kira Weidle-Winkelmann sind wieder im Einsatz. © Kappeler/dpa
Soldeu – Zum runden Geburtstag gab‘s für Kira Weidle-Winkelmann eine kleine Neckerei ihrer Silber-Kollegin. „Dirty Thirty“, dreckige 30, stand auf dem T-Shirt, das Emma Aicher ihrer lieben Freundin, ihrer „Bestie“, schenkte, auch der Spitzname „Woidlemann“ durfte zur aufgedruckten Foto-Collage nicht fehlen. Weidle-Winkelmann nahm es mit Humor und trug das gute Stück mit sichtlichem Stolz.
Die beiden pflegen ihre Freundschaft. Nach Olympia nutzten sie die kurze Wettkampfpause zu einem Trip nach Barcelona. Ab Freitag aber ist Schluss mit Geschenken: Dann werden aus den Freundinnen, die vor rund zwei Wochen gemeinsam Silber in der Team-Kombination gewonnen hatten, Konkurrentinnen.
Aicher und „KWW“ duellieren sich auf der Zielgeraden der Saison um die kleine Kristallkugel in der Königsdisziplin Abfahrt, um den Thron der schwer verletzten Speed Queen Lindsey Vonn. Noch führt die US-Amerikanerin, die sich in der Heimat nur langsam von den erheblichen Folgen ihres Horror-Sturzes bei den Winterspielen erholt, die Wertung mit 400 Punkten an. Aicher (256) und Weidle-Winkelmann (232) liegen auf den Rängen zwei und drei in Lauerstellung.
Der Saisonendspurt startet mit dem Rennen am Freitag (11 Uhr/ARD und Eurosport) in Soldeu (Andorra), wo am Wochenende auch zwei Super-G gefahren werden. Anschließend stehen in Val di Fassa/Italien und beim Weltcup-Finale in Kvitfjell/Norwegen noch weitere drei Abfahrten an – genügend Chancen also für das DSV-Duo. Aicher tritt dazwischen noch in ihrer schwedischen Heimat in Are bei Riesenslalom und Slalom an – Vorteil Weidle-Winkelmann?
Die 30-Jährige war in diesem Winter zweimal Zweite, Aicher (22) stand nur in St. Moritz auf dem Abfahrtspodest, dafür aber ganz oben. Aber reicht die Kraft nach den zehrenden Olympia-Tagen für noch drei Wochen mit insgesamt acht Speed-Rennen? Weidle-Winkelmann beteuert, sie „freue“ sich auf die letzten Einsätze, die Strecke in Soldeu etwa sei „cool zu fahren“. Und Aicher meint gewohnt lässig: „Was soll ich denn sonst machen?!“
Seit Viktoria Rebensburg, die in der Saison 2017/2018 im Riesenslalom triumphierte, hat keine deutsche Skirennläuferin mehr eine Disziplinwertung gewonnen. Dass zumindest Aicher irgendwann eine Kristallkugel in den Händen halten wird, halten die Verantwortlichen beim Skiverband für sehr wahrscheinlich – womöglich sogar die große.
Aicher, prophezeite Cheftrainer Andreas Puelacher schon zu Saisonbeginn, könne „in geraumer Zeit durchaus so weit sein, um den Gesamtweltcup mitzufahren“. Geschenke darf sie aber nicht erwarten – auch nicht von ihrer Freundin „Woidlemann“.SID