Überraschungsweltmeister Antonelli? © Collyer/dpa
Innovativ: Der Ferrari-Heckflügel dreht sich. © Qadri/dpa
München – Die drei Testwochen sind vorbei. Die Eindrücke liefern ein erstes Bild der Kräfteverhältnisse für den Saisonstart am 8. März in Melbourne.
Am schlechtesten kam Aston Martin aus den Startlöchern. Technikprobleme mit dem neuen Getriebe und dem Honda-Antrieb, wenige Kilometer und viele Unsicherheiten beim Energiemanagement warfen das Team zurück.
Neuling Cadillac startet erwartungsgemäß im hinteren Bereich, hinterlässt aber einen ordentlichen Eindruck. Mit einem soliden Antrieb haben sie genug Potenzial, um etablierte Teams zu ärgern.
Auch Williams kämpft. Das Auto verpasste nach den durchgefallenen Crashtests die ersten Tests, wirkt schwer, aerodynamisch limitiert und kam nie richtig in Fahrt.
Noch hat Audi Rückstand durch Technik. Hoffnung macht aber: Bei den Tests machten die vier Ringe den größten Entwicklungssprung. Ein frühes Kühlungsupgrade brachte Stabilität und bessere Renn-Pace. Fragezeichen bleiben beim Motor. Dennoch: Der neue Dienstwagen von Nico Hülkenberg – der einzige deutsche Fahrer im Feld – war die positive Überraschung der letzten Testwoche.
Die Racing Bulls liegen ebenfalls im Mittelfeld, wirken aber fahrerisch anspruchsvoller. Instabilität beim Bremsen und beim Energierückgewinnungs-Management drückten auf die Rundenzeit.
Alpine hat nach dem radikalen Fokus auf 2026 geliefert. Solide Pace, gute Zuverlässigkeit und dank des Mercedes-Aggregats besteht sogar die Chance auf Top-Ten-Plätze.
Überraschend stark ist auch Haas in die neue Ära gestartet. Das Auto hat kaum sichtbare Schwächen, spulte viele Runden ab. Ein Vorteil ist die enge Zusammenarbeit mit Ferrari.
Der Red Bull wirkt weiterhin schnell, vor allem mit Max Verstappen am Steuer. Der neue, eigene Motor in Kooperation mit Ford macht im Hinblick auf Energiemanagement einen guten Eindruck.
Titelverteidiger McLaren fährt ebenfalls an der Spitze mit. Nach anfänglichen Problemen mit dem Tempo ist das Auto zuletzt konstanter geworden. Mit neuem Mercedes-Motor im Heck könnte in Australien der nächste Schritt folgen.
Ferrari beeindruckte mit Innovationen und Tempo. Besonders auffällig: starke Starts und deutliche Fortschritte bei der Fahrzeugbalance. Über eine Renndistanz wirkt Ferrari jedoch knapp langsamer als die Silberpfeile.
Mercedes hat keine spektakulären Rundenzeiten in den Asphalt gebrannt, aber enorme Konstanz an den Tag gelegt und viele Kilometer abgespult. Im Fahrerlager gilt Mercedes bereits als Favorit für Melbourne.
Die Tests zeigen ein engeres Feld als erwartet. Ex-Formel-1-Pilot Ralf Schumacher glaubt an eine Saison, in der sich die Kräfteverhältnisse immer wieder verschieben können. Sein Gefühl sagt ihm: „Es könnte das Jahr des jungen Mercedes-Piloten Kimi Antonelli werden. Aber auch Charles Leclerc im Ferrari muss man auf der Rechnung haben. Und Max Verstappen sowieso. Da muss nur sein Red Bull mitmachen.“RALF BACH