Denkwürdige Pleite: Hoffenheims Talente führten 1860 im Hinspiel vor. © IMAGO
München – Es war ein Wiesn-Auftakt wie aus dem Bilderbuch: Weiß-blauer Himmel über München, in Giesing trug man 1860-Trikot zur Lederhose. Auch die Löwen-Profis hatten einen Feierplan, doch elf junge Hoffenheimer durchkreuzten ihn. Mit 1:5 gegen den Aufsteiger setzte es eine denkwürdige Pleite. Frustbier statt Jubelmass. Es war der Beginn der Herbstkrise, die Patrick Glöckner und Christian Werner wenig später den Job kostete. Nach dem 0:2 in Aue mussten Trainer und Sportchef am mittleren Wiesn-Sonntag gehen.
Speziell die Niederlage gegen Hoffenheims U 23 wirkte lange nach. An diesem Freitag (19 Uhr, MagentaSport) kommt es zum Wiedersehen – mit einer Gefühlslage, die Glöckner-Nachfolger Markus Kauczinski in die Karten spielt: „Revanche-Gedanken gibt es, wenn dann bei den Jungs – die können sie gerne ausleben“, sagte der 1860-Coach: „Das Spiel verlangt von uns wieder vollen Fokus, Konzentration und Disziplin.“
Revanche, erster Teil. Unter diesem Arbeitstitel steht die Auswärtsfahrt in den Kraichgau. Durch zwei Siege in Folge ist die Stimmung inzwischen wieder positiv – und sie soll während der Englischen Woche so bleiben. „Wir dürfen uns keine Schwäche erlauben“, sagte Kauczinski vor der Abfahrt am Donnerstag. Seine Vorgabe: „Wir müssen uns auf die eigenen Stärken besinnen. Man hat gegen Stuttgart II gesehen, wie schnell es gehen kann.“
Stuttgart II, Hoffenheim II. Gegen zweite Mannschaften sieht 1860 selten gut aus. Die Lehre aus den beiden Niederlagen müsste sein, spielstarken Talenten mit körperlicher Wucht und Härte zu begegnen. Wenn’s in der Praxis so einfach wäre… Von der Rückrundentabelle sollte sich jedenfalls keiner blenden lassen – da steht die TSG-Reserve mit einem Punkt und 7:18 Toren auf dem letzten Platz.
Stimmungstechnisch wird es eine Umstellung für die Löwen, denn das Dietmar-Hopp-Stadion gleicht mehr einem Trainingsplatz als einer Arena. Fassungsvermögen: 6350 Zuschauer – die Gegentribüne mit ihren 350 Plätzen meist spärlich gefüllt. Ein Hexenkessel, wie ihn 1860- und Rostock-Fans zuletzt entfacht hatten, sieht anders aus. Immerhin: Fast 2000 Löwen-Fans werden die Reise auf sich nehmen – trotz der ungünstigen Anstoßzeit am stauträchtigen Freitag.
Personell entspannt sich die Lage immer mehr. Offen ist, wie Kauczinski mit Rückkehrer Jesper Verlaat verfährt. Die Tendenz geht wohl dahin, das gegen Rostock siegreiche Team wenig zu verändern. Erfreulich: Penanka-Held Thore Jacobsen, von Kauczinski als „coole Socke“ geadelt, kann wohl spielen, obwohl ihm die Hüfte unter der Woche zu schaffen machte. Vorerst kein Thema ist Hinrunden-Shootingstar Sean Dulic, dessen Heilungsverlauf sich hinzieht. „Ich hoffe, dass er nach der Englischen Woche wieder zurückkehrt“, sagte Kauczinski.
Das Ziel für den Dreierpack Hoffe-Aue-Köln erklärt sich von selbst: Nur mit Siegen kann 1860 in der Tabelle weiter Boden gutmachen. Und ganz nebenbei alte Wiesn-Rechnungen begleichen.ULI KELLNER