Eishockey-Männer entschuldigen sich

von Redaktion

US-Olympiasieger räumen ein: Unangebrachtes Gelächter bei Trump-Anruf

Die US-Eishockey-Frauen jubelten – kein Grund für herablassende Scherze. © dpa/Petr David Josek

Boston – Mehrere Eishockey-Olympiasieger haben für die Reaktion ihres Teams um Entschuldigung gebeten, nachdem US-Präsident Donald Trump nach ihrem Gold-Triumph einen Witz auf Kosten der Frauen-Mannschaft der USA gemacht hatte.

„Es tut uns natürlich leid, wie wir in diesem Moment darauf reagiert haben“, sagte etwa Charlie McAvoy vor dem NHL-Spiel seiner Boston Bruins gegen die Columbus Blue Jackets: „Wissen Sie, die Dinge sind dort einfach sehr schnell passiert“. Die Lacher nach dem Trump-Spruch würden „sicherlich nicht widerspiegeln, wie wir uns fühlen“.

Jake Sanderson (Ottawa Senators) räumte ein, das Lachen sei „ein kleiner Fehler“ gewesen, Ersatz-Goalie Jeremy Swayman (Boston) meinte: „Wir hätten anders reagieren sollen.“ Laut Matthew Tkachuk, der für die Florida Panthers spielt, würde das Männer-Team die Mannschaft der Frauen „lieben, und das Frauenteam liebt uns“. Während Olympia sei man „sich so nah“ gewesen: „Wir haben uns gemeinsam andere Wettkämpfe angesehen. Wir sind hingegangen und haben sie angefeuert.“

Nach dem Triumph der US-Männer im Finale über Kanada (2:1 n.V.) hatte Trump das Team angerufen und ins Weiße Haus eingeladen. Dabei scherzte er, dass er auch die Frauenmannschaft dazuholen müsse. „Ansonsten würde ich wohl des Amtes enthoben werden“, war während eines über Lautsprecher geführten Telefonats von Trump zu hören. Mehrere Spieler lachten danach.

Die US-Kapitänin Hilary Knight hatte das Verhalten des US-Präsidenten bedauert. „Ich fand das einen geschmacklosen Witz, der leider einen Großteil des Erfolgs überschattet. Den Erfolg der Frauen bei den Olympischen Spielen, die für das Team USA antreten und erstaunliche Goldmedaillenleistungen vollbringen“, sagte sie in einer ESPN-Sendung. Die Einladung ins Weiße Haus schlug das Team aus. Offiziell begründete der US-Verband das mit der Weiterführung des Ligabetriebs und akademischen Verpflichtungen der Spielerinnen.

Vor allem in Nordamerika hat Frauen-Eishockey einen hohen Status. Bereits in den 80er-Jahren spielten Kanadierinnen und Amerikanerinnen auf hohem Niveau, mit Manon Rheaume gab es in den frühen 90ern eine Torhüterin, die sogar ein Testspiel beim NHL-Club Tampa Bay Lightning absolvieren durfte. 1998 gab es bei Olympia erstmals ein Frauenturnier. Das Eishockey beanspruchte damals in Nagano die große Bühne, es war auch die Premiere der NHL-Profis bei den Olympischen Spielen.

Die Partien zwischen Kanadierinnen und Amerikanerinnen gelten als „Biggest rivalry in hockey“, die Frauen-Nationalteams tragen eine eigene „Rivalry series“ aus. Probleme bereitete lediglich der Ligenspielbetrieb. Allerdings wurde hier vor drei Jahren der Durchbruch erzielt mit der Gründung der Professional Women‘s Hockey League (PWHL), an der die Tennisikone und Frauenrechtlerin Billie-Jean King beteiligt war.

Inzwischen umfasst die Liga acht Teams, bespielt werden die Metropolregionen Boston, Vancouver, Montreal, New York, Toronto, Seattle, Ottawa, Minnesota, die Frauen füllen auch die großen Hallen, bis zu 20000 Zuschauer kommen zu ihren Spielen. Also wirklich kein Grund mehr, um über weibliches Eishockey zu lästern.SID/GÜK

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