München – Auch, wenn es mal nicht um Tore, Transfers und Ergebnisse ging: Bei Bier und Brotzeitbrettl lief Herbert Hainer am Donnerstag Abend im Münchner Club Wirtschaftspresse zur Höchstform auf. Der Bayern-Präsident kritisierte nicht nur die 50+1-Regel, sondern lieferte auch zu anderen Themen Klartext. Auf Trainer Kompany hält der 71-Jährige ein Loblied.
■ Hainer zur 50+1-Regel:
„50+1 sollte abgeschafft werden“, sagte Hainer über die Regel, die verhindern soll, dass Investoren zu viel Einfluss in deutschen Fußballclubs bekommen. „Jeder Verein sollte selbst entscheiden, was er machen will.“ Zahlungskräftige Investoren könnten den deutschen Fußball konkurrenzfähiger machen, glaubt er. Und: Schon heute gebe es Ausnahmen wie Bayer 04 Leverkusen oder den VfL Wolfsburg, weshalb man „bei manchen Vereinen ein Fragezeichen setzen muss, ob sie sich überhaupt an 50+1 halten“, so Hainer.
■ Zur Vermarktung der Bundesliga:
Zu Fernseheinnahmen sagte er mit Blick auf die englische Premier League: „Dort kriegt der Tabellenletzte mehr Geld als der Erste bei uns.“ Satte 4,5 Milliarden werden an die englischen Clubs ausgeschüttet, 2,5 Milliarden kommen aus der Auslandsvermarktung. In der Bundesliga sind es nur 1,3 Milliarden, 175 Millionen aus dem Ausland. Hainer: „Unsere Vereine müssen mehr nach Amerika, Afrika oder Asien gehen, damit sich das bessert.“
■ Zum Qatar-Sponsoring
„Anders als ein Konzern steht der FC Bayern täglich in der Öffentlichkeit“, berichtete der ehemalige Adidas-Chef und Bayern-Präsident. Das bringe starken Druck mit sich. Auch beim Qatar-Airways-Sponsoring sei das so gewesen: Der Rekordmeister beendete nach jahrelanger Kritik vieler Fans wegen der Menschenrechtslage im Land 2023 den umstrittenen Millionen-Deal. Rückblickend übertrieben? „Heute reist der Kanzler nach Katar und wirbt um engere Wirtschaftsbeziehungen“, stellte Hainer jedenfalls klar.
■ Zur Nachfolger-Suche
Der FC Bayern sucht ständig nach Menschen, die Verantwortung in Verein und Vorstand übernehmen. Am liebsten hätte Hainer Vereins-Ikonen wie Thomas Müller oder Philipp Lahm. Doch es gebe Nachwuchsprobleme. Denn: „Wenn ein Fußballer 20 Millionen im Jahr verdient hat und nun für einen Bruchteil sechs Tage die Woche arbeiten soll, dann wird es schwierig.“
■ Zu Vincent Kompany
Kompany sei als Trainer ein Glücksfall für den FC Bayern. Nicht nur, weil der Verein unter ihm erfolgreichen und schönen Fußball spiele. Sein zwölfminütiges Anti-Rassismus-Statement habe Kompany vergangene Woche aus dem Stehgreif gehalten, berichtete Hainer, „ohne Vorbereitung, trotzdem druckreif“ Schon als Spieler sei Kompany „der Einzige gewesen, der mit einem Buch unter dem Arm rumläuft.“ANDREAS HÖSS