Löwen pirschen sich ran

von Redaktion

Mit einem 2:1-Erfolg bei Hoffenheim II übt 1860 Druck auf die Topteams aus

Dazu ein Knutscher von Volland für Siegtorschütze Haugen. © IMAGO / Harald Bremes

Party in Weiß: Früher Löwen-Jubel nach dem Treffer von David Philipp zum 0:1. © sampics

Hoffenheim – Philipp Maier hatte vor der Interviewwand Platz genommen, doch ehe er zum ersten Satz ansetzen konnte, dröhnte aus der Kabine der Wiesn-Hit „Bella Napoli“. Ein untrügliches Zeichen: 1860 hatte gewonnen. Zum dritten Mal in Folge. Ein etwas wackliges 2:1 bei Hoffenheim II – glücklich trotz früher Führung, schließlich spielte die zweite Mannschaft der TSG 1899 Hoffenheim ab der 50. Minute in Unterzahl. Erlein hatte nach einem grenzwertigen Schubser die Rote Karte gesehen. Den Löwen war’s egal.

Für eine Nacht schoben sie sich auf Platz sechs – nur noch vier Punkte fehlen auf Rang zwei. „Ist immer schön, wenn man am Freitagabend Druck auf die Konkurrenz ausüben kann“, sagte Comebacker Morris Schröter zufrieden. Philipp hatte früh getroffen, Haugen spät zum Sieg. Doch dass der Tabellenletzte der Rückrunde nach dem Ausgleich lange das Kommando übernahm, dürfte bis zum Duell mit Erzgebirge Aue am Dienstag noch intensiv aufgearbeitet werden.

Ein einsamer Trommler hatte sich in den spärlich besetzten Heimblock verirrt, rhythmische Schläge hallten nach dem Anpfiff durch das kleine Dietmar-Hopp-Stadion, doch nur kurz. Schon nach zwei Minuten wurden sie von lauten TSV-Gesängen übertönt. Ein Traumstart der Löwen wurde bejubelt: Steckpass von Volland auf Danhof, in der Mitte war Philipp mitgelaufen. Ein überlegter Pass, ein müheloser Abschluss. 1:0 für die Gäste, die das Dorf Hoffenheim für einen Abend in einen Giesinger Außenbezirk verwandelt hatten.

1860 hatte das Spiel mit der siegreichen Elf des Rostock-Spiels begonnen – und zunächst mit der gleichen Intensität. Alles lief nach Plan, vielleicht sogar ein bisschen zu glatt. Schleichend vollzog sich die Wende. 1860 zog sich zurück, überließ den Ball den TSG-Talenten – ein grober Fehler. Wehe, man lässt die Hochbegabten aus dem NLZ des Bundesliga-Dritten spielen. Das Hinspiel hätte eine Warnung sein müssen (Endstand 1:5). Es folgten erste Warnschüsse wie jener von Florian Micheler in der 21. Minute. Thomas Dähne parierte mit Mühe – und war vier Minuten später chancenlos. Erlein sah Micheler frei am Elfmeterpunkt stehen – und diesmal schob Hoffenheims Bester die Kugel rechts unten zum Ausgleich ins Netz.

Die Reaktion der Löwen? Auf wütende Angriffe warteten die 3000 mitgereisten Fans vergeblich. Es fehlte der Plan, spielerisch zurückzukommen – und spürbar auch der kämpferische Mut. Ereignislos plätscherte die erste Halbzeit dem Pausenpfiff entgegen.

Die zweite Halbzeit hatte es dann gleich mal in sich. Haugen, geschickt von Volland, tauchte alleine vor TSG-Keeper Petersson auf, hatte aber zu viele Gedanken im Kopf. Eine Topchance inklusive Nachschuss wurde kläglich vergeben. Im Gegenzug dann erneut große Aufregung: Erlein geriet mit Maier aneinander, ließ sich zu einem Schubser hinreißen – Rot! Eine harte Entscheidung – die aber zunächst nichts am Kräfteverhältnis änderte. Hoffenheim spielte, 1860 wirkte einfallslos. Bis zum nächsten genialen Pass von Volland.

Kurz hinter dem eigenen Strafraum stehend witterte Volland den ewigen Wühler Haugen. Ein Pass wie auf dem Silbertablett – und diesmal behielt der Maskenmann den Durchblick. Erneute Führung für die Löwen (63.). Hoffenheim stürmte zum Schluss mit Torwart. Das dritte Löwen-Tor wollte aber nicht fallen. Die Erlösung folgte durch den Schlusspfiff.ULI KELLNER

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