Nur der VAR nervt

von Redaktion

„Historische Leistung“ – Stuttgarts Reise in der Europa-League geht weiter

Stuttgart – Deniz Undav beschimpfte den Videobeweis als „Quatsch“. Ermedin Demirovic flüchtete sich angesichts des neuerlichen Unmuts in Galgenhumor. Seine Europa-League-Reise setzt der VfB Stuttgart im ersten internationalen Achtelfinale seit 2013 gegen den FC Porto mit der Viertelfinalchance fort. Doch direkt nach dem verschmerzbaren 0:1 im Playoff-Rückspiel gegen Celtic Glasgow nervte den VfB erst einmal wieder der VAR.

„Ich liebe es. Brutal. Macht richtig Spaß damit mittlerweile. Es ist krass“, kommentierte Demirovic sarkastisch. Ernst kritisierte er: „Ich finde es unfassbar, dass man das als Abseits wertet. Mir kann keiner sagen, dass die Linie so perfekt gezogen ist, dass die Schulter einen Millimeter abseits ist.“

Was war passiert? Eine Viertelstunde vor Schluss hatte Undav den Ausgleich erzielt. Das Tor wurde aber aberkannt, weil die Schulter von Demirovic in der Entstehung einen Hauch zu weit vorn war. Er wolle den Videobeweis nicht abschaffen, so Demirovic, sprach sich aber für einen Toleranzbereich bei so kleinteiligen Millimeter-Entscheidungen aus.

So führte der VAR schon wieder zum Frust beim VfB, wie schon beim 3:3 in Heidenheim mit gleich zwei per Videobeweis zurückgenommenen Treffern. Weil die 4:1-Gala aus dem Europa-League-Hinspiel bei Celtic aber für das verdiente Weiterkommen reichte, war der Ärger nicht so extrem wie am Sonntag. Das Ziel war erreicht. Auch in Glasgow hatte ein Demirovic-Tor nicht gezählt.

Gegen den SC Braga oder den FC Porto wird der VfB Stuttgart jetzt um den Viertelfinaleinzug spielen. Am 12. März treten die Schwaben zunächst daheim an, eine Woche später in Portugal. Nach der Auslosung heute Mittag (13.00 Uhr) in Nyon wird Klarheit über den Gegner herrschen.

Knapp drei Jahre, nachdem Sebastian Hoeneß gekommen war, um die Stuttgarter vor dem Absturz in die Zweitklassigkeit zu retten, hat der VfB den nächsten Schritt auf dem Erfolgsweg mit dem Trainer geschafft. Als der VfB zuvor letztmals zu der elitären Top-16-Gruppe im Europapokal zählte, war Bruno Labbadia als Coach in seiner ersten Amtszeit im Club beschäftigt.

13 Jahre ist das mittlerweile her, woran Hoeneß am Donnerstagabend noch einmal erinnerte. Mit einem Lächeln sagte er: „Das ist eine historische Leistung vom VfB Stuttgart. Yes!“

Anfang April 2023 war Hoeneß auf Labbadia gefolgt, als dieser nur kurzzeitig ein zweites Mal beim schwäbischen Traditionsverein im Amt war. Die nächste Runde soll für seine Elf nur ein Etappenziel sein – anders als 2013, als der VfB gegen Lazio Rom im Achtelfinale seine Grenzen aufgezeigt bekam. „Der VfB ist wieder da“, sangen die Fans.

Doch ganz so locker flutscht es derzeit nicht – und das liegt nicht nur am VAR. Nach dem Fehlstart und dem Gegentreffer nach 30 Sekunden beherrschte der Gastgeber zwar gegen Glasgow das Geschehen. In der Offensive ließ der Bundesliga-Vierte aber in der ersten Hälfte die letzte Konsequenz und zwingende Torchancen vermissen. „Wir haben ein Spiel verloren, das – ich übertreibe jetzt mal ein bisschen – du in 100 Jahren eigentlich nicht verlieren darfst“, bilanzierte Hoeneß.DPA

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