Mit einem Pass in die Schnittstelle auf Diaz (li.) könnte der FCB laut Friedl gefährlich werden. © IFI
München – Im Herbst fügte der FC Bayern dem BVB (2:1) die bislang einzige Niederlage der Bundesliga-Saison zu. Mit einem weiteren Dreier am Samstag (18.30 Uhr, Sky) in Dortmund könnten die Münchner einen ganz großen Schritt Richtung Meistertitel machen. Wie das gelingen kann, erklärt Spielanalyse-Experte Sebastian Friedl vom Internationalen Fußball-Institut (IFI) im Gespräch mit unserer Zeitung.
„Aus taktischer Sicht brauchen sie am Samstag die nötige Geduld und Genauigkeit, um die Lücken in Dortmunds Abwehrreihe zu finden. Ein möglicher Mechanismus könnte die Verlagerung in den Halbraum der anderen Seite mit folgendem Schnittstellenpass sein“, sagt der Fachmann, der dabei vor allem das brandgefährliche Offensiv-Trio des FC Bayern mit Harry Kane, Luis Diaz und Michael Olise hervorhebt.
Eine Erfolgsvariante könnte demzufolge so aussehen (siehe Grafik): Der Rechtsverteidiger spielt den Ball in die Mitte auf Joshua Kimmich, dieser wiederum leitet weiter auf Aleksandar Pavlovic. Und der Sechser schickt Linksaußen Diaz steil in die Schnittstelle der Dortmunder Abwehr. Friedl: „Zuletzt kamen sie immer und immer wieder über ihr starkes Kombinationsspiel ausgehend von der 4-2-3-1-Grundformation zum Erfolg.“
Hinter dem magischen Dreieck rechnet Friedl mit Pavlovic und Kimmich im defensiven Mittelfeld sowie Jamal Musiala auf der Zehner-Position. Und zwar aus gutem Grund. „Mit diesem Personal und dieser Spielweise sichert sich Bayern Spitzenwerte in den wichtigsten Offensivparametern: durchschnittlich 60 Prozent Ballbesitz, 90 Prozent Passerfolgsquote, meiste Torschüsse mit über 18,5 pro Spiel. Und on top liefern die Bayern auch noch die beste Laufleistung der Bundesliga ab!“, betont Friedl.
Trotz des blamablen Champions-League-Ausscheidens unter der Woche in Bergamo (1:4) warnt der Experte vor der Mannschaft von Trainer Niko Kovac. „Während Dortmund in der Abwehr oft auf ein kompaktes System mit Fünferkette setzt, finden sich im Mittelfeld mit Felix Nmecha und Jobe Bellingham eher offensiv ausgerichtete Spieler. Dies sorgt für ein gefährliches BVB-Umschaltspiel. Für pfeilschnelle Angriffe setzt der BVB auf Karim Adeyemi und Maximilian Beier, die mit 35,78 km/h und 35,37 km/h die aktuell schnellsten Spieler der Bundesligasaison sind“, sagt Friedl. Deren Hereingaben könnte Stürmer Serhou Guirassy nutzen: „Mit zehn Toren nach Flanken und insgesamt elf Treffern durch Kopfball haben die Dortmunder jeweils den Liga-Bestwert. Allerdings werden sie an dieser Stelle definitiv den gelb-gesperrten Außenverteidiger Julian Ryerson schmerzlich vermissen. Er ist einer der Top-Vorlagengeber der Liga.“
Stellt sich die Frage: Wie kann der FC Bayern die Dortmunder Stärken ausschalten? Indem sie deren Umschaltspiel unterbinden. Und dadurch „die freien Räume vor der BVB-Abwehr ausnutzen“, meint Friedl, der den FCB als Favorit sieht.PHILIPP KESSLER