EHC geht in den Playoffs „all in“

von Redaktion

Lob für Abwehrarbeit beim Derby in Augsburg

In der Schlussphase mächtig unter Druck: EHC in Augsburg mit Pokka, Torwart Bibeau, Murphy. © Red Bull/City-Press

München – Oliver David fand: Besser kann ein Auswärtsspiel nicht enden als das seines EHC Red Bull München am Freitagabend in Augsburg. Es ging nicht um den 4:2-Sieg an sich, sondern um die Art, wie der Vorsprung verteidigt wurde. In den beiden letzten Minuten geriet der EHC durch Strafen für seine Verteidiger Dillon Heatherington und Konrad Abeltshauser unter Druck, die Augsburger Panther nahmen ihren Torhüter vom Eis und spielten mit sechs gegen drei. Die drei Münchner vor Torhüter Antoine Bibeau waren: Patrick Hager, Ryan Murphy, Ville Pokka. Eine „herausragende Arbeit“ bescheinigte der Trainer ihnen: „Jeder von ihnen hat jeden Schuss geblockt.“ Der EHC hielt das 4:2. Durch die drei Punkte war sechs Spieltage vor Schluss der Hauptrunde auch der Platz in den Top-Sechs der DEL-Tabelle und die Teilnahme an den Playoffs gesichert.

In der entscheidenden Phase vertrauten die Münchner natürlich auf ihre etablierten Kräfte. Alberts Smits kam dann nicht mehr zum Einsatz, obwohl er im EHC-Team der Spieler mit dem größten Potenzial ist. Aber: Der 18-jährige Lette war erst am Tag vor dem Derby in Deutschland angekommen, „im Grunde“, so David, „hat er mit uns nicht trainiert“. Lediglich den „Morning Skate“, wie im Eishockey das Anschwitzen am Spieltag genannt wird, konnte der letzte Neuzugang mitmachen, per Video wurde er dann anhand von zwei, drei Grundsatzpunkten ins Spielsystem eingeführt. „Es ist kein kompliziertes System“, meint David, „aber es erfordert viel Energie.“ Knapp 14 Minuten war Smits im Einsatz, zeigte dabei „vier, fünf Schüsse und einen Block“. Außerdem sah Coach David, „dass er gut skaten und passen kann“.

Auch vor dem Topspiel gegen Spitzenreiter Kölner Haie am Sonntag gab es nur eine leichte Einheit, kein taktisches Training. Das findet erst wieder in den kommenden Tagen statt, dann wird Alberts Smits seine neuen Mitspieler besser kennenlernen können.

Es ist absehbar, dass München für Smits nur eine Zwischenstation ist. Zum einen steht er bei Jukurit Mikkeli in Finnland unter Vertrag, allerdings wird er dort keine Möglichkeit haben, die Playoffs zu spielen, der Club ist Vorletzter. Die Scouts aus der NHL wollen Alberts Smits aber auch in den nächsten Wochen sehen – und der Verteidiger will sich ihnen zeigen, denn in den Listen über die Talente seines Jahrgangs (2007/08) steht er weit oben. Ende Juni wählen die 32 NHL-Clubs ihre zukünftigen Stars aus. Nachdem Smits diese Saison für Lettland U20-WM und Olympiaturnier gespielt hat, gilt er als ziemlich sicherer Erstrunden-Pick, er könnte sogar unter den ersten Zehn auftauchen und nächste Saison in Nordamerika spielen. Das sind die Hintergründe des Leihgeschäfts mit München.

Dass der EHC alle verfügbaren elf Import-Lizenzen vergibt, ist selten vorgekommen in der Clubgeschichte, aber ein Zeichen, dass man „all in“ geht. Da immer nur neun ausländische Cracks eingesetzt werden dürfen, verschärft sich der Konkurrenzkampf. Zuletzt waren Adam Brooks und Chris DeSousa im Verletztenstand, daher musste noch keiner aus der Fraktion Nordamerika/Finnland und nun auch Lettland gesund auf die Tribüne.GÜNTER KLEIN

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