Stark wie noch nie?

von Redaktion

Punkterekord für 1860 nach zwei Dritteln der Saison – Spielerisch bleibt Luft nach oben

Mr. Steckpass: Kevin Volland glänzte mit Zuspielen auf Sigurd Hagen (l.) & Co. © sampics

Im Vormarsch: Drei Siege hintereinander sorgen für eine löwenstarke Zwischenbilanz – das Team um Voet feiert. © IMAGO

Hoffenheim/München – Am Sonntag waren alle Löwen Havelse-Fans. Nach den Samstagsspielen bot die Drittligatabelle ein klareres Bild als noch nach dem 1860-Sieg am Freitagabend in Hoffenheim (2:1). Aus vier Punkten Rückstand auf Platz zwei wurden wieder sieben – wie vor dem 26. Spieltag. Offen war nur, wie groß der Abstand zum Relegationsplatz sein würde. Havelse trotzte dem MSV Duisburg ein 1:1 ab, daher sind es fünf Zähler. Noch sind die Löwen in einer Position, in der man auf Schützenhilfe angewiesen ist. Markus Kauczinski, der nach dem 10. Spieltag für Patrick Glöckner (und Interimscoach Alper Kayabunar) kam, sagte: „Wir rennen der Zeit und den Punkten hinterher.“

Unabhängig davon hatte man am Freitagabend einen zufriedenen 1860-Trainer erlebt. Nicht unbedingt, weil die Löwen beim Tabellenletzten der Rückrunde so gut gespielt hatten – das nun wirklich nicht. Eher ging es darum, dass das mühevolle Hinterherhecheln erstmals sichtbar Früchte trug. Zumindest für eine Nacht sah die Tabelle deutlich freundlicher aus, wenn man als Löwe darauf schaute (Platz sechs, vier Punkte bis Rang zwei). „Ich hoffe schon, dass das was mit uns macht“, sagte Kauczinski: „Zum ersten Mal haben wir dieses Gefühl, dass man ein bisschen geklettert ist, dass man das auch sieht. Bisher hattest du gewonnen, hast auf die Tabelle geschaut, und es sah alles gleich aus. Du hast jetzt das Gefühl, dass sich etwas tut für uns.“ Kauczinski wagte einen Blick voraus aufs Frühjahr: „Für uns war es wichtig, jetzt dranzubleiben. Diese direkten Duelle gegen Duisburg (22.3.) und Cottbus (8.4) kommen ja noch. Dafür musst du natürlich rankommen. Deshalb ist es wichtig, solche Spiele zu gewinnen.“

Siegen – nur darum geht es in der momentanen Lage, zwölf Spieltage vor der Endabrechnung. Es gab keinen Löwen, der am Freitagabend behauptet hätte, die Sechzger seien im Vergleich mit den TSG-Talenten die bessere Mannschaft gewesen – im Gegenteil. Wie schon gegen Rostock (1:0) hatte die Kauczinski-Elf auch diesmal das Momentum auf ihrer Seite – und das Glück bei engen Schiedsrichterentscheidungen. Frühe Führung – hergeschenkt. Hoffenheim nach dem erbettelten Ausgleich besser. Es brauchte erst einen grenzwertigen Platzverweis für die Gastgeber (Rempel-Rot für Erlein, 50.) und einen von insgesamt drei genialen Volland-Steckpässen, um aus der Passivität zurück auf die Siegerstraße zu finden.

Dass die Löwen dabei auch von der Extraklasse der Unterschiedsspieler Volland und Sigurd Haugen profitierten, wollte Kauczinski nicht verschweigen. „Die passen einfach gut zusammen“, sagte er. Volland wirkte vor allem glücklich, Abnehmer für seine erstligareifen Zuspiele zu haben: „Für mich als Zehner ist es immer gut zu wissen, dass du ein, zwei schnelle Spieler vorn hast, die stets gefährlich sind.“ David Philipp, der das 1:0 erzielte, war mitgemeint. Und was den Siegtorschützen Haugen angeht: „Er opfert sich auf und tut uns enorm gut mit seinem Speed.“

Und plötzlich – in der Tabelle kaum zu erahnen – sind die Löwen in einer hoffnungsvollen Position wie lange nicht. Ergebnisse sind im Fußball wie in der Politik eine Frage der Interpretation, und Kauczinski blickte am Freitag in erstaunte Gesichter, als er sagte: „Wir haben 2026 erst einmal verloren.“ Eben überwog noch in der öffentlichen Wahrnehmung die Ergebniskrise zwischen Mitte Dezember und Anfang Februar (fünf Spiele ohne Sieg). Dann jedoch – nach dem Tiefpunkt Stuttgart II – strafften sich die Löwen wieder und reihten drei Siege aneinander. Das bemerkenswerte Ergebnis dieses Zwischenspurts: 1860 hat nach 26 Spieltagen 42 Punkte auf dem Konto – so viele wie nie zuvor in der 3. Liga zu diesem Zeitpunkt. Nur einmal, 20/21, lag 1860 nach zwei Dritteln der Saison ähnlich hoffnungsvoll im Rennen. Damals, wachgeküsst von Michael Köllner, lauerte man mit 41 Punkten – und beendete die Saison mit 66 Zählern auf dem undankbaren vierten Platz.

Kauczinski jedenfalls hat als 1860-Trainer einen Punkteschnitt von 1,88 – hochgerechnet auf eine Saison wären das 71 Punkte, ein sicherer Aufstiegswert. „Es ist eine gewisse Erleichterung da“, sagte Sechser Philipp Maier: „Ich glaube, wir können definitiv besser spielen. Und wir müssen definitiv auch wieder eine Schippe drauflegen, wenn wir die nächsten Spiele gewinnen wollen.“ Am Dienstag gegen Aue, am Freitag in Köln. Das Heimspiel gegen Aue morgen Abend findet ohne Maier und David Philipp statt – beide sahen in Hoffenheim ihre fünfte Gelbe Karte. „Oh“, lautete die überraschte Reaktion des Trainers nach der PK: „Philipp wusste ich, Dave nicht.“ Ein Grinsen – wahrscheinlich fiel ihm der mühevolle Auftritt im Dietmar-Hopp-Stadion ein: „Ich wollte eh wechseln. Es kann vielleicht nicht schaden, wenn wir wieder ein bisschen frischen Wind reinbekommen.“ULI KELLNER

Artikel 5 von 11