Aus dem Weg: Johannes Thiemann führte das DBB-Team gegen Kroatien zu einem 91:89-Sieg nach Verlängerung. © IMAGO
Bonn – Eine Storyline wie ausgedacht, ein Abend wie gemalt. Rekord im 100. Länderspiel, als Topscorer und Kapitän, dazu Sieger in einer Nervenschlacht vor Heimfans in vollem Haus. Alles passte für Johannes Thiemann. „Ja, ist cool“, sagte der Welt- und Europameister nach dem wichtigen Sieg der deutschen Basketballer über Kroatien gelöst, „ein guter Tag“.
Fast alles drehte sich in Bonn um „JT“, der im schwierigen Spiel voran ging, sein Team trug, nicht nur, weil er traf wie noch nie. 24 Punkte standen für den 32-Jährigen nach dem hart erkämpften Erfolg in der WM-Qualifikation (91:89 n.V.) zu Buche, sein bisheriger Bestwert stand bei 17. Hinzu kamen zwölf Rebounds. Thiemann, einfach stark.
Es hatte viel mit dem Routinier zu tun, dass sein besonderes Länderspiel im Telekom Dome nicht mit einer herben Enttäuschung endete. Denn nach der unnötigen Niederlage im ersten Duell mit den Kroaten am Freitag in Zagreb (88:93) lief lange wenig zusammen, Mitte des dritten Viertels stand es 48:63. „Als wir 15 tief waren, war es echt schwierig“, sagte Thiemann, doch dann begann die Aufholjagd, mit Überstunden und Happy End.
Thiemann war nach dem 45-Minuten-Krimi erleichtert. „Es wäre sehr bitter gewesen für die weitere Qualifikation, wenn wir verloren hätten“, sagte der Power Forward und meinte mit Blick auf den Doppelpack: „1:1 ist eine okaye Ausbeute für uns.“
Es stimmt, der Titelverteidiger ist auf dem Weg zur WM 2027 weiter im Soll, hat die zweite Gruppenphase vorzeitig erreicht. Da alle Punkte mitgenommen werden, war der Sieg über Kroatien umso wichtiger. Passiert in den ausstehenden Spielen der ersten Qualifikationsphase gegen die Außenseiter Israel und Zypern Anfang Juli nichts Unerwartetes, sind elf Punkte auf dem Konto, zwölf wären möglich gewesen.
Zuletzt hatte Thiemann mit Problemen zu kämpfen gehabt und in Japan viele Spiele seiner Gunma Crane Thunders wegen einer Gehirnerschütterung verpasst. Für die ersten Länderspiele des Jahres nahm er wieder lange Flüge auf sich und führte die Mannschaft in Abwesenheit des etatmäßigen Kapitäns Dennis Schröder auf das Spielfeld. „Es ist immer sehr bitter, wenn man nicht spielen und nur zugucken kann. Aber jetzt geht es mir wieder gut“, sagte Thiemann. Das war nicht zu übersehen.SID