Olympisches Reflektieren

von Redaktion

Warum Mathias Niederberger trotz starker Konkurrenz im Münchner Tor wieder gefragt ist

Mathias Niederberger wird trotz Niederlage im EHC-Tor bleiben. © Red Bull/City-Press

München – Der EHC Red Bull München unterlag den Kölner Haien, die nun uneinholbarer DEL-Hauptrunden-Erster sind, mit 0:1. Mathias Niederberger empfand das Resultat als „ein bisschen ärgerlich“. Das Team hatte genügend Chancen für eigene Tore, und der Gegentreffer, den er als Keeper kassierte, war Resultat eines abgefälschten Schusses und folglich nicht zu halten. Seit der Rückkehr aus seiner Verletzungspause war es die dritte Niederlage beim dritten Einsatz, Niederbergers letzter Sieg datiert vom 16. November – und obwohl Konkurrent Antoine Bibeau herausragende Zahlen aufzuweisen hat (19 Siege in 25 Partien, bester Gegentorschnitt der Liga mit 1,79, zweitbeste Fangquote mit 93,04 Prozent), hat sich in der Münchner Torhüterhierarchie etwas verschoben. Zugunsten von Niederberger.

Trainer Oliver David nannte Niederbergers Leistung gegen Köln „herausragend“ und erklärte: „Mit dieser Vorstellung hat er verdient, dass wir ihn weiterspielen lassen.“ Der Grundsatz des Amerikaners: „Wenn einer der Torhüter den Rhythmus findet, bleibst du bei dem, der ihn hat.“ In seine Überlegungen fließt noch ein weiterer Ansatz ein: „Bibeau hat eine Importlizenz.“ Die Lage ist die: Mit dem Letten Alberts Smits hat der EHC einen elften Spieler für das Ausländerkontingent verpflichtet, aber es dürfen immer nur neun eingesetzt werden. Wenn Stürmer Chris DeSousas Handverletzung abklingt, hat David die komplette Kapelle zur Verfügung. Mit Bibeau im Spieltagskader müsste er von seinen vier Verteidigern (Murphy, Pokka, Heatherington, Smits) und sechs Stürmern (Hirose, Brooks, DeSousa, McKenna, Ferguson, Fontaine) zwei Mann auf die Tribüne setzen. Die Überlegung mit Niederberger als Nummer eins und Simon Wolf als Back-up liegt also nahe.

Voraussetzung: Niederberger muss wieder der sein, der wesentlich zu drei Meisterschaften (mit Berlin 2021 und 22, mit München 2023) beitrug. Wer glaubt, der 33-Jährige sei enttäuscht von seiner Olympia-Reise zurückgekehrt, auf der er ohne Einsatz blieb, täuscht sich. Niederberger sagt: „Ich habe Olympia genossen.“

Nicht nur wegen der Treffen mit der mutterseitigen italienischen Linie der Familie, sondern wegen der Trainingsmöglichkeiten: „Wir hatten viel Eiszeit.“ Bei fünf Spielen in sieben Tagen ließ die Nationalmannschaft weite Teile der reservierten Slots ungenutzt, Niederberger war dann mit Torwarttrainer Ilpo Kauhanen (Ingolstadt), Korbinian Geibel (Berlin) und Justin Schütz (Mannheim), die wie er Reservisten blieben, zugange. Dazu „fleißig im Gym“, zudem tat ihm der freundschaftliche Austausch mit Philipp Grubauer (Seattle), der deutschen Nummer eins, gut. „Außerdem hatte ich Zeit, mein Jahr 2025 zu reflektieren und Schlüsse daraus zu ziehen.“ Er hatte etliche Verletzungen. Pech?, „Verletzungen haben Ursachen.“ Nun fühlt er sich „fit und gesund – und eine gewisse Erfahrung habe ich ja auch“.GÜNTER KLEIN

Artikel 1 von 11