Wolfsburg – In der schwersten Krise des Vereins kursierte beim VfL Wolfsburg bereits der Name Dieter Hecking als Retter in höchster Not – da schlug der angeschlagene Daniel Bauer noch einmal massiv Alarm. „Fakt ist, dass wir viele Strukturen ändern müssen, dass die Atmosphäre, die Kultur innerhalb des Clubs aktuell auch nicht bundesligatauglich sind. Dass wir ein anderes Mindset in der gesamten Struktur reinbekommen müssen“, betonte der Noch-Trainer nach der 0:4 (0:3)-Klatsche beim VfB Stuttgart.
Nach dem Absturz auf einen Abstiegsplatz hatte kurz zuvor schon Yannick Gerhardt, der seit zehn Jahren beim VfL unter Vertrag steht, ein düsteres Bild gezeichnet und „sehr komplexe“ interne Probleme aufgezeigt. „Der Verein sieht gerade nicht gut aus, er ist nicht gesund“, sagte er ernüchtert.
Bauer sprach deshalb von einem „sehr, sehr harten Weg. Am Ende des Tages spiegelt sich schon alles so ein bisschen auf dem Platz“. Sogar Sport-Geschäftsführer Peter Christiansen hatte zuletzt Baustellen im Club eingeräumt: „Wir können nicht sagen, dass die Dinge an Daniel Bauer liegen. Es ist der ganze Verein.“
Dennoch: Laut kicker gibt es angesichts der prekären Lage nach sieben Spielen ohne Sieg „ernsthafte Überlegungen“ beim VfL, ein zweites Mal in dieser Saison den Trainer zu wechseln. Ex-Erfolgscoach Hecking könnte die Aufgabe übertragen bekommen, hieß es.
Der 61-Jährige arbeitete von 2013 bis 2016 schon einmal in Wolfsburg, gewann mit den Wölfen DFB-Pokal und Supercup. Im September war Hecking beim Zweitligisten VfL Bochum entlassen worden.
Klar ist aktuell nur: Der Druck in Wolfsburg ist groß, ein Sieg am Samstag (15.30 Uhr/Sky) im Nordduell mit dem HSV Pflicht. Wie ernst die Lage ist, unterstrich auch die Tatsache, dass nach der Stuttgart-Pleite sogar VW-Konzernchef Oliver Blume in der Kabine auftauchte. Am Abend soll es zudem noch eine Krisensitzung gegeben haben.
Bauer hatte in Wolfsburg erst im November das Amt von Paul Simonis übernommen. In bisher 14 Spielen unter seiner Regie gab es jedoch acht Niederlagen. Er sei trotz des Niedergangs „total bereit und willens, den Weg bis zum Ende zu gehen“, sagte er nach dem VfB-Spiel kämpferisch. Wichtig sei jetzt, so der 43-Jährige, „dass wir das Spiel sauber aufbereiten und die richtigen Schlüsse herausziehen“.
Ob das gelingt? Gerhardt hat so seine Zweifel. „Es sieht sehr schlecht aus. Die Tabelle lügt gerade nicht. Der Trend ist erdrückend. Diese Diskrepanz zwischen Anspruch und Realität ist viel zu groß“, sagte er und forderte: „Wir brauchen auch nicht mehr vom Potenzial reden. Wir müssen die Spieler finden, die das irgendwie über die Linie kriegen. Wir haben den Anspruch, Bundesligaspieler zu sein, das müssen wir zeigen.“SID