Dass die Sache gut werden könnte, weiß man seit Monaten. Wenn es ein TV-Sender schafft, Mats Hummels, Jürgen Klopp und Thomas Müller als WM-Experten zu verpflichten, ist Meinungsstärke garantiert. Große Namen, verschiedene Typen, unterschiedliche Kommunikatoren: Die „Magenta“-Berichterstattung wird beim Turnier im Sommer jeden Fan erreichen. Aber seit Montag darf man davon ausgehen, dass sie nicht nur für Gesprächs-, sondern auch für Zündstoff sorgen wird.
Die Drohung kam verpackt in der monatlichen „Müller-Mail“. Um exakt 19.50 Uhr trudelte der Fan-Newsletter ein, nun weiß man: Der Ex-Bayer und heutige Vancouver-Profi wird in seiner Rolle als TV-Experte kein Blatt vor den Mund nehmen – sondern hat sich genau denjenigen zum Vorbild genommen, dessen Wortbeiträge bei den Verantwortlichen seines Ex-Arbeitgebers in München zum sofortigen Abstellen des TV-Geräts führen. „Vorhang auf für Didi Hamann“, schrieb Müller auf die Frage nach seinem Lieblings-TV-Experten. Übersetzt heißt das: Achtung, Deutschland! Zieh dich warm an!
Didi Müller – oder Thomas Hamann? – wird Einiges zu bieten haben. Was genau, listet er selbst auf: Argumente schlüssig vortragen, Thesen mit Herzblut vertreten, authentisch sein, steile Thesen raushauen. „Solange es nicht unter die Gürtellinie geht, gehört das zum Spiel dazu“, schreibt Müller – und hat Recht. Man muss nicht immer dieselbe Meinung haben wie Hamann oder Lothar Matthäus, gelegentlich schießen sie im Sinne der Unterhaltung über das Ziel hinaus. Und trotzdem bereichern die Chefkritiker des FC Bayern die Branche.
An den Stammtischen diskutiert man Wortbeiträge, die vom Phrasenschwein weit entfernt sind. Und dass die Betroffenen sich über sie aufregen, trägt sicher nicht zum Kurswechsel bei. Müller nennt es „Fußball-Entertainment“, eine schöne Vokabel. Diejenigen, die ihre Millionen in genau diesem Spiel verdienen, sollten es ähnlich gelassen sehen. 90 Minuten sind zu wenig Unterhaltung, um die aberwitzigen Summen zu rechtfertigen. Also: Vorhang auf für Müller!