Jeder kämpft um die beste Position für sein Team: Fabio Wagner (München, l.) im Sprintduell mit Jason Bast (Augsburg). © Red Bull/City-Press
München – Am Dienstag trug sich im SAP Garden Ungewöhnliches zu: Die Eishockey-Mannschaft des EHC Red Bull München trainierte. Das einzige Mal in dieser Woche.
Am Montag war frei, das hatte sich nach drei Spielen in fünf Tagen angeboten, außerdem ist der Montag traditionell der Tag des Durchschnaufens im deutschen Ligen-Eishockey. Am heutigen Mittwoch fliegt der EHC-Tross nach Düsseldorf, von wo aus er weiterfährt nach Iserlohn, zum Spiel bei den Roosters (19.30 Uhr). Das Programm für Donnerstag: zurück nach München, abends PR-Termin in einem Kino. Am Freitag dann schon wieder ein Match: zuhause gegen Wolfsburg. Am Sonntag ein weiteres Heimspiel gegen Frankfurt. Klar: Am Samstag wird Oliver David seine Cracks schon kurs aufs Eis bitten. „Doch das nennen wir nicht Training, es ist Regeneration“, sagt er. Training wäre für ihn das Einstudieren von Spielformen und Verhaltensmustern. Für den letzten Neuzugang, den Letten Alberts Smits, bedeutet der Rhythmus, „dass er am Ende der Woche vier Spiele haben wird, aber nur ein Training“, so Coach David.
Einen Monat Pause fürs Olympia-Turnier mitsamt Vorbereitung, dann zwei englische Wochen nacheinander – dafür gibt es keine Erfahrungswerte. Kölns finnischer Trainer Kari Jalonen nannte den Wiederauftakt in der DEL „tough, nicht nur körperlich, sondern auch mental“. Die Spiele sind gerade unberechenbar. Am Freitag erlebte Oliver David, wie seine Mannschaft sich in Augsburg in der Schlussphase einer Drei-gegen-sechs-Unterzahl erwehren musste und das heldenhaft erledigte, am Sonntag gegen Köln hatte sein Team Sechs-gegen-drei-Überzahl – „und wir haben nichts zustande gebracht“. Doppelte Überzahl plus Torwart raus, das gäbe es fast nie, erklärte Kari Jalonen. „Zum ersten Mal in meiner Karriere habe ich es in zwei Spielen nacheinander erlebt“, sagte Oliver David.
Fünf Spieltage stehen in der DEL noch an. In der finalen Phase der Hauptrunde werden die Ergebnisse kurioser. Die sportlich abgestiegenen Dresdner Eislöwen gewinnen bei den um Platz acht bis zehn kämpfenden Schwenningern, Frankfurt gibt sich trotz seines Daseins im Niemandsland (Platz 13) nicht auf, die Teams auf den Rängen zwei bis fünf mit München mittendrin sind nur vier Punkte auseinander, Meister Berlin, eigentlich der Titelfavorit auch für diese Saison (gewesen), bemüht sich als aktuell Siebter, die Pre-Playoffs noch zu vermeiden. Mannheim, Straubing, München, Ingolstadt blicken gespannt auf die Eisbären Berlin, die man trotz ihrer Schwächeanfälle nicht im Viertelfinale als Gegner haben will. „Erfahrung und Qualität haben sie unbestritten, die musst du immer auf der Uhr haben“, so Christian Winkler, Münchens Managing Director Sports. „Gefühlt sind alle Mannschaften gut aus der Pause gekommen. Es ist ein richtig heißes Race.“GÜNTER KLEIN